Projektart:
Anfrage:
Objekt:
Typ:
Kunst- und Konzerthaus
Ort:
St. Christoph [Karte]
Staat:
Österreich
Architekt:
Jürgen Kitzmüller 🔗, Hall/Tirol
Materialien:
Betonfertigteile, gebeizte Eiche, Stahl
Publiziert:
Beton Bauteile 2017-2
Seiten:
44 - 45
Inhalt:
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Ein Interview mit dem Architekten Jürgen Kitzmüller

Ich arbeite gerne mit Fertigteilen!

 
Wieso haben Sie sowohl das Konzerthaus in St. Christoph als auch das Bootshaus am Bodensee in Betonfertigteilen realisiert?
Ich arbeite gerne mit Fertigteilen, auch mit Holzelementen, aber gerne mit werksmäßig erstellten Betonbauteilen. Mir gefällt die Perfektion, mit der man damit arbeiten kann, weil es halt nicht vor Ort geschalt wird, das minimiert die Fehlerquellen im Vergleich zu einer werkseitigen Produktion. Dazu entsteht nicht zuletzt aus der besagten Präzision eine wunderschöne, immer irgendwie perfekt erscheinende Oberfläche.
Was missfällt Ihnen an anderen Baustoffen?
Mir ist die Materialechtheit auch wichtig, sowohl bei Holz wie bei Beton. Bei Fertigteilen hat man eigentlich keine verputzten Flächen, Bereiche, »wo man etwas zuschmiert«. Aber bei einem Projekt auf einem Berg sehe ich natürlich auch den konstruktiven Vorteil.
Welcher ist das?
Infolge der enormen Schneelasten muss man einfach mit Beton arbeiten – das mach’ ich auch gerne!
Fertigteile haben dabei den entscheidenden Geschwindigkeitsvorteil, denn auf den Bergen haben wir ausgesprochen kurze Bauzeiten. Die entstehen einerseits aus dem langen Alpenwinter und zudem gibt es noch weitere gesetzliche Bausperren, etwa aus Gründen des Tourismus oder des Naturschutzes.
Die zulässige Gesamtbauzeit ist also sehr reglementiert, mit einem schnellen Rohbau habe ich schnell eine tro-ckene Baustelle und mehr Zeit für den Innenausbau.
Das ist mir wahnsinnig wichtig.
Wieso ist Ihnen das so wichtig?
Ich bin ein Architekt, dem das Interior- und auch das Lichtdesign sehr wichtig ist. Durch den schnellen Rohbau habe ich mehr Muße und Zeit für die Feinheiten beim Innenausbau. Ich kann den Handwerkern dafür erheblich mehr Zeit einräumen.
Wenn ich hingegen alles in Ortbeton erstellen würde oder mit Ziegeln arbeitete, die anschließend innenseitig noch verputzt werden müssen, dann wären Trockenzeiten zu beachten, die einzuhalten sind.
Dazu ergeben sich bei Vor- Ort- Konstruktionen immer Ungenauigkeiten durch die Handarbeit. So finden Sie kaum echte rechte Winkel, das erschwert ungemein die Folgearbeiten und die entsprechende Planung.
Nennen Sie ein Beispiel!
Auch in Innenbereichen arbeite ich gern mit Sichtbetonflächen, vor die ich etwa eine Einbauküche stelle. Die Arbeitsplatte kann gerne aus einer edlen Natursteintafel bestehen, die der Steinmetz millimetergenau gefertigt hat. In eine Betonfertigteilnische wird sie sicher exakt hineinpassen, in einer aus Ortbeton muss das nicht so sein. Mindestens bekomme ich aber eine unansehnliche Fuge, die ich abdecken muss. In einer Bauweise aus Betonfertigteilen ist ein rechter Winkel ein rechter Winkel, das muss bei anderen Rohbaukonstruktionen nicht so sein!
Herr Kitzmüller, wir danken für das Gespräch!
Robert Mehl, Aachen