Project:
Contact:
Object:
Type:
ropeway-station
Location:
Timmelsjoch/Hochgurgl [satellite]
State:
Austria
Architect:
Michael Brötz 🔗, Hall/Tirol
Materials:
structural timber construction
Published:
structure 28.05.2019
Pages:
online
Content:
[article]      
 

Gondelstation Top Mountain Crosspoint, Hochgurgl

Materialisierter "Einkehrschwung"

An der Timmelsjoch- Hochalpenstraße an der Grenze von Osterreich und Italien ist der Top Mountain Crosspoints entstanden. Es ist ein Hybrid aus Maut- und Seilbahnstation sowie Restaurant und Motorradmuseum. Sein geschwungenes Dach besteht aus über 2.400 verschiedenen Holzbauteilen - allesamt Einzelanfertigungen.
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In nur 10 Monaten Bauzeit ist in 2.175 m ü.N.N. an der Timmelsjoch- Hochalpenstraße der Top Mountain Crosspoint entstanden. Grundsätzlich reagiert dieser Neubau am Hochpunkt der Passstraße auf zwei unterschiedliche Zielgruppen: Die Wintersportler und die Motorradfans, die sommers die dortigen Serpentinen aufsuchen. Insofern ist in dem Bau, der alle Funktionen in sich vereinigt, nicht nur ein ganzjährig geöffnetes Restaurant untergebracht, sondern neben der Gondel- auch eine Mautstation sowie tatsächlich Europas höchstgelegenes Motorradmuseum.
Der Entwurf von Michael Brötz aus Hall/Tirol ist inspiriert an Schwüngen, die man sowohl vom Skifahren, wie auch in der Kurvenlage beim Motorradsport wiederfindet. Formales Herzstück seines Entwurfes ist das geschwungene Dach eines Gebäudes, das sich aus der Luft wie ein kaligraphisch gemalter, rechter Winkel ausnimmt. Von Ost nach West quert zunächst ein schmaler Torbau die Straße - die Mautstation und knickt dann um gut 90° nach Süden, längs zu dieser ab, wobei sich ebenjener Gebäudeflügel nun merklich aufdickt; Hier sind sowohl das Museum, das Restaurant, wie auch die Gondelstation untergebracht.
Geschwungene Traufe
Das Dach ist eine Brettschichtholzkonstruktion aus Firstpfette, BSH- Hauptträgern sowie entsprechenden Einhängpfetten. Dabei wurde bei der Montage angestebt, den Stahlanteil bei den Verbindungen möglichst gering zu halten. Da das Dach umlaufend auf fast 4 m auskragt und für den Architekten das Ausbilden der beschwingten Form von zentraler Bedeutung war, wurde hier mit sehr eng gesetzten Pfetten gearbeitet, um eine bei näherer Betrachtung eine zwar polygonal ausgeführte, aber von weitem hinreichend gekrümmt erscheinende Traufe zu erhalten.
Die Haupt- und ihre Nebenträger wurden nicht zuletzt aus Kostengründen mit Holz- Holz- Verbindungen hergestellt, die von oben verschraubt wurden. Nur bei den Kreuzungspunkten der Hauptpfetten wurde mit doppelten Stahlschlitzblechen gearbeitet, um eine ausreichende Druck- Zug- Verbindung zu erhalten.
Aufgrund der annähernd amorph gekrümmten Dachfläche und der fest vorgegebenen geometrischen Form, ergaben sich bei dessen Unterkonstruktion sich permanent ändernde Winkel, Bauteillängen und Stöße. Jeder Dachträger wurde so zu einem Einzelstück bei einem Satteldach , dass neben dem kurvigen Grundrissverlauf auch seine Neigung von 6° auf 12° verändert. Insofern nimmt es nicht wunder, dass über 2.400 verschiedene Holzbauteile erforderlich waren, davon über 1.000 unterschiedliche Brettschichtholzelemente. Diese waren nötig, um eine Schneelast von 620 KN aufzunehmen, die bei einem inneralpinen Standort vorgeschrieben ist.
Lediglichn die Gondeleinfahrt zur Liftstation weist eine lineare Konstruktion auf: Hier spannen gerade 26 m lange BSH- Pfetten von einer Betonaußenwand zur anderen. Diese Elemente mussten allerdings mit einem Sattelschlepper die enge Serpentinenstraße hinaufgefahren werden.
Robert Mehl, Aachen
https://www.structure-magazin.de/artikel/gondelstation-top-mountain-crosspoint-hochgurgl-34197