Project:
Contact:
Object:
L'arbre blanc
Type:
residential and commercial high-rise building
Location:
Montpellier [satellite]
State:
France
Architect:
Materials:
steel, in-situ concrete
Published:
structure 09.01.2020
Pages:
online
Content:
[article]      
 

L'arbre blanc, Montpellier

"Schwebende Terrassen"

In Montpellier hat eine Architektengemeinschaft rund um den Japaner Suo Fujimoto den "arbre blanc", den "Weißen Baum" geschaffen. Mit seinen 198 weit auskragenden Balkonen will der 17-geschossige Bau Innen- und Außenraum verbinden. Diese wurden mit einer neuartigen Montagetechnik angebracht.
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2013 lobte die Stadt Montpellier den Architekurwettbewerb "Folie Richter" aus. Dabei wurde eine neue Landmarke für die Stadt gesucht. Anders als erwartet ging die Initiative von zwei jungen Büros aus: Nicolas Laisné und sein damaliger Juniorpartner Dimitri Roussel machte sich zusammen mit dem befreundeten Büro OXO von Manel Rachdi weltweit auf die Suche nach einem erfahrenen Seniorpartner. Anlass war, dass die Auslober explizit Planungsgemeinschaften aus jungen und erfahrenen Architekten suchten. Zu Ihrer großen Überraschung kam mit die erste Antwortmail aus dem fernen Japan, von Suo Fujimoto. Alle drei Büros eint der Wunsch nach einer naturbezogenen Architektur, auch wollen sie alle Bauten schaffen mit einem gesellschaftlichen Anspruch und Effekt. Vorgegeben war nur ein Wohnturm, die Planer legten Wert auf das durchlässige Konzept. Kein abgeschlossener Ort für Reiche sollte entstehen, sondern einer allen, auch Touristen offensteht. Entsprechend gibt es im Erdgeschoss eine Einkaufpassage und im obersten Geschoss ein Restaurant, einen Dachgarten und einen Gemeinschaftssaal.
Jede der 113 Wohnungen hat mindestens einen der insgesamt 198 Balkone, oft jedoch zwei. Die Apartments sind unterschiedlich geschnitten, es gibt Einheiten über zwei Geschosse, dann sind die dazugehörigen Balkone mit Außentreppen verbunden. Obwohl die Balkonausgragung 7,00 - 7,5 m misst, kann die mit Holzdielen beplankte Stahlkonstruktion, zusätzlich zum fixen Windschutz noch eine Verkehrslast von 350 kg/m² aufnehmen. Mit den expressiven Außenflächen reagieren die Architekten auf drei Fragen: Montpellier liegt im heißen und sonnigen Südfrankreich, die weiten Balkonüberstände dienen den Geschossen darunter als passiver Sonnenschutz, das oberste Geschoss besitzt entsprechend Pergolen aus Metalllamellen. Die Balkone halten zusammen mit den Windschutzelementen die bei Hochhäusern unvermeidlichen Sog- und Seitenwinde von der Gebäudefassade fern. Dies erlaubte den Einbau herkömmlicher Fenster, anstatt der bei Turmbauten gebräuchlichen Kastenfenster mit außen liegender Prallscheibe. Schließlich erweitern die Großbalkone real den Wohnraum. Es gibt einfach mehr Platz, die Sonne lädt zum verweilen auf den "schwebenden Terrassen" ein, der Übergang von innen nach außen fließt, weshalb deren Zugänge bewusst schwellenfrei sind.
Baukonstruktion & Montage
Das 55 m hohe Gebäude ist eine klassische Ortbetonkonstruktion mit einem vertikalen Gebäudekern und von der Fassade eingerückten Tragstützen, die die Geschossdecken tragen. Die wasserführende Außenhaut ist eine in Trockenbau erstellte und mit Aluminium verkleidete Lochfassade. Die Terrassenkonstruktion wurde davorgehängt, durchdringt diese und ist an den Geschossdecken fixiert. Für eine zweckmäßige Montage dieser, bis zu 35 m² großen Außenflächen ersann das beauftragte Statikbüro André Verdier eine stählerne Hilfskonstruktion, die an eine Handwaage erinnert: Sie besaß einen Kragarm auf den das Terrassenelement aufgelegt wurde und gegenüberliegend einen zweiten Arm für ein Gegengewicht. Durch zwei Fangseile am Boden gesichert, beförderte ein großer Baukran dieses Arrangement zur Einbauposition, wo Monteure den Balkon anbrachten.
Robert Mehl, Aachen
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