Project:
Contact:
Object:
Type:
administration-building
Location:
Brixen [satellite]
State:
Italy
Architect:
Materials:
Fassade: Frener Reifer 🔗, Brixen
Published:
structure 12.09.2019
Pages:
online
Content:
[article]      
 

Konzernsitz eines Druckmaschinenherstellers

Verwaltung versetzt

In Brixen entstand die neue Hauptverwaltung eines Druckmaschinenherstellers. Das von kleinen, pixelartig angeordneten Fenstern geprägte Obergeschoss kragt in einem kühnen Schwung bis zu 7 m über ein quaderförmiges Erdgeschoss aus.
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In Zeiten analoger Filmentwicklung waren Negativprojektoren der Marke "Durst", selbst für private Dunkelkammern das Maß aller Dinge. Mit zunehmender Digitalisierung entwickelte sich der optisch hochqualifizierte Maschinenbauer aus Brixen zu einem Hersteller digitaler Druckmaschinen. Vor knapp vier Jahren lobte das Unternehmen einen eingeladenen Architektenwettbewerb zum Umbau seines Stammsitzes aus, den die Südtiroler Architekten Patrik Pedò und Juri Pobitzer von Monovolume gewannen. Sie griffen eine bislang unrealisierte Turmidee des ersten Durst'schen Architekts Othmar Barth aus den 1960er Jahren auf. Allerdings gaben sie dieser Landmarke nunmehr die Anmutung eines 35 m hohen Flugzeugleitwerks an das liegender, amorpher Baukörper in einem kühnen Schwung angeformt ist und fußt auf einem quaderförmigen, gläsernen Erdgeschoss. Alles zusammen, umfasst rd. 5.700 m² und birgt im EG einem Showroom und darüber Büros für 142 Mitarbeiter sowie ein Schulungs- und Konferenzzentrum.
Schwebende Verwaltung
Geprägt ist der Neubau durch seine Obergeschossfassade mit 842 kleinen Fensteröffnungen, die angeordnet in Bögen und Splines dieser eine pixelige Anmutung verleihen, insbesondere nachts, wenn deren mattierten Gläser durch LED'-Licht erstrahlen. Das Obergeschoss kragt an der weitesten Stelle 7 m gegenüber der orthogonal geführten Glasfassade der Eingangsebene vor. Getragen wird dieser geschlossen erscheinende Teilkörper weitgehend von Geilinger- Stützen - mit Beton verfüllte Stahlrohre, die zusätzlich einen Stahlkern besitzen. Mit ihnen war es möglich lediglich mit einem Durchmesser von 323,9 mm zu arbeiten - trotz der immensen, durch die Auskragung bedingten Querkräfte: Bei einer Höhe von 5,5 m werden sie mit einer Kraft von Fd = 6.500 KN belastet.
Tatsächlich liegen EG und OG nur teilweise übereinander und sind im Bereich der Auskragung fast vollständig zueinander versetzt. Auf der Erdgeschossdecke entsteht durch das geschwungene OG ein erhöhter Innenhof, der von einer zweigeschossigen, 1.300 m² großen Pfosten- Riegel- Fassade umgeben ist.
Infolge des nur 1,5 m unter OK Gelände anstehenden Grundwassers mussten die Geilinger- Stützen auf Großbohrpfähle gegründet werden und der Keller zudem gegen drückendes Wasser als Weiße Wanne ausgeführt werden.
Pixelfassade
Der Rohbau der "Pixel"-Fassade besteht aus von oben nach unten laufenden Rechteckrohren, die mit Kreuzlagenholz (KLH) ausgefacht sind. Im Turmbereich umschließt sie die geneigten Geilinger- Rundstützen, die die Geschossplatten aus Beton tragen. An diese Unterkonstruktion wurden mittels eigens entwickelter Aluminium- Strangpressprofile die sichtbaren, pulverbeschicheteten Metallpaneelen appliziert. Bindeglieder bilden tausende, unterschiedlich lange Sonderkonsolen aus feuerverzinktem Stahl zur präzisen Justage des Fassadenabstands zwischen 300 - 1.800 mm. Oberhalb dieser Vertikalfläche liegt eine 913 m² große geneigte "Dachfassade"; eine Stahl- Glaskonstruktion aus 182 unterschiedlichen, teilweise dreieckigen Isolierglasscheiben. Sie geht in einer kegelartigen Krümmung in die gläserne Ostfassade des Turmes über. Dabei weist dieser Hybrid aus Dachfläche und Fassade eine maximale Spannweite von 13 m auf.
Robert Mehl, Aachen
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