Projektart:
Anfrage:
Objekt:
Typ:
Demonstrator Bauwerk
Ort:
Apolda [Karte]
Staat:
Deutschland
Architekt:
Prof. Achim Menges 🔗, Uni Stuttgart; Hans Drexler 🔗, Jade-HS Oldenburg
Materialien:
konstruktiver Zolzbau
Publiziert:
structure 27.06.2019
Seiten:
online
Inhalt:
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Timber Prototype House, Apolda

"Gedrucktes" Massivholz

Im Rahmen der IBA Thüringen wird in Apolda ein hoch gedämmter, annähernd monomaterieller Massivholzpavillon gezeigt. Er besteht weitgehend aus CnC-gefrästen 10/20cm Kanthölzern, deren Form automatisiert von einer hoch parametrischen Software errechnet wurde.
Derzeit findet in ganz Thüringen eine Internationale Bauausstellung (IBA) statt, in deren Rahmen in Apolda das Timber Prototype House gezeigt wird. Der Pavillon steht auf einer Grünbrache hinter einem weiteren Exponat, einer früheren Feuerlöscherfabrik, die 1938 von Egon Eiermann umgeformt und erweitert wurde. Der Pavillonbau besteht, abgesehen von seinen stirnseitigen Fensterfronten, aus einer hoch dämmenden Massivholzkonstruktion. Verwendet wurde ausschließlich handelsübliche Fichte aus regionaler Quelle, insgesamt 100 m³ Standard- Konstruktions- Vollholz (KVH). Angestrebt wurde bei dem Projekt seine maximale Produktions- Digitalisierung, die von dem Institut für Computerbasiertes Entwerfen und Baufertigung (ICD) der Universität Stuttgart wissenschaftlich betreut wurde. Auf Basis einer hoch parametrische Software gaben letztlich die Entwerfer nur noch wenige Hüllkurven vor und definierten baukonstruktive Bedingungen. Der Computer übernahm die eigentliche Ausführungsplanung und errechnete direkt die Steuerdateien der CnC- Fräse.
Baukonstruktion
Mit dieser wurde in das 10/20er Fichtenvollholz ein 70 mm tiefer Lamellenkamm eingefräst und damit Luftkammern geschaffen, die den ʎ- Wert des Vollholzes von 1,2 auf 0,8 W/(m•K) senkte. Jeweils zwei Kanthölzer stieß man schmalseitig aneinander, so dass die effektive Wandstärke 40 cm beträgt. An den Kopfenden der Kanthölzer wurde eine parametrisierte Eckverbindung eingefräst, die dem Handwerker ein einfaches Zusammenstecken der Hölzer im 90°-Winkel und damit die Schaffung eines umlaufenden Gebäuderahmens ermöglicht. Verbunden wurden die hintereinander sitzenden Kanthölzer monomateriell mit Buchenholzbolzen, welche leimfrei mit Pressluft eingeschossen wurden. Der gesamte Pavillon besteht aus 440 Massivholzrahmen, deren Fußboden und Decke gleichartig ausgeführt sind. Sie wurden sie zu acht Großelementen vorkonfektioniert und an der Baustelle mit wenigen Schrauben demontabel zusammengefügt. Die Regendichtigkeit wird mit einer diffusionsoffenen, jedoch wasserdichten Membran sichergestellt, die um den Rohbau gelegt ist. Der Rohbaustufung folgend, wurde auf diese zahllose Holzwürfel als Unterkonstruktion aufgebracht, auf man eine fugenoffene Fassadenlattung montierte.
Fensterfront
Die gläserne Stirnseite steht sinnbildlich für den digitalen Projektanspruch, die Assoziation mit einem Handy- Display ist Absicht. Dabei handelt es sich um ein wärmegedämmtes Stufenfalzglas, dessen äußere Scheibe um den Betrag der Holzrahmenstärke größer ist, als die Innere. Dieser 40 cm breite Randbereich erhielt einen schwarzen Siebdruck, auf den Kleber aufgebracht wurde zur unmittelbaren Fixierung an die Rohbaukonstruktion. Dazu wurde die vorstehende, innere Scheibe bündig in die lichte Öffnung des Holzrahmen eingeschoben, bis das äußere Glas an das umlaufende Holz stieß.
Robert Mehl, Aachen
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