Projektart:
Anfrage:
Objekt:
RWTH Campus
Typ:
Hochschulerweiterung
Ort:
Aachen [Karte]
Staat:
Deutschland
Architekt:
RKW 🔗, Düsseldorf; Reicher-Haase 🔗, Ac
Materialien:
Städtebaulicher Entwurf
Publiziert:
DBZ 04/2010
Seiten:
6
Inhalt:
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Mindestens ein Sillicon Valley

Spatenstich zur Campuserweiterung der RWTH Aachen
Ende Februar wurde in Aachen offiziell und feierlich der erste Spatenstich der Campuserweiterung der RWTH Aachen begangen. Westlich gelegen vom heutigen Kernbereich der Hochschule und dem Aachener Stadtzentrum soll in dem Vorortbereich Melaten und auf Teilflächen des daran angrenzenden Westbahnhofes eine weiträumige Hochschullandschaft mit 10.000 neuen Arbeitsplätzen entstehen. Die dafür nötigen 2 Milliarden Euro sollen hauptsächlich durch die Industrie erbracht werden, die sich forschungsnah auf dem neuen Campus ansiedeln möchte. Unter anderem wird hier von einer Produktionsstätte für ein massentaugliches, europäisches Elektroauto geträumt.
Während in Melaten das schon seit Jahrzehnten bestehende RWTH- Gelände nach Nordwesten hin „nur“ erweitert bzw. massiv nachverdichtet wird, erfährt der Westbahnhof eine weitgehende Konversion: natürlich werden die seit langem zurück gebauten und brach liegenden Flächen neu genutzt. Zudem soll die derzeit zur Bereitstellung von Güterzügen noch genutzte Gleisharfe etwa um die Hälfte reduziert und neu überbaut werden. Architektonisch und auch städtebaulich hochinteressant ist dabei die Umnutzung des alten Ringlokschuppens mit seiner Peripherie. Das Ensemble steht seit letztem Herbst unter Denkmalschutz. Es besteht nicht nur aus den eigentlichen Gebäuden, sondern auch aus Hochbehältern, natürlich einer zentralen Drehscheibe und den radial darum angeordneten Gleisen. Neben den neuen Forschungsstätten sollen auch zusätzliche, nicht-universitäre Dienstleistungen, wie etwa Hotels, Restaurants, Supermärkte und Kindertagesstätten in beiden Campusteilen angesiedelt werden.
Zum Vorbild für ihre Campuserweiterung hat sich die RWTH Aachen keine geringere Hochschule als die Stanford University bei San Fransisco genommen. Diese hatte nämlich 1951 vergleichbares aus der Taufe gehoben. Viele Jahre später wurde aus diesem urbanen Projekt dann das berühmte Silicon Valley.
Grundsätzlich wird das Vorhaben von allen Seiten begrüßt. Allerdings erregt die bisherige Planungsvergabe den Unmut der Architektenverbände. Während die Campuserweiterung in Melaten von den Aachener Architekten Reicher- Haase betreut wird, die den Zuschlag aufgrund eines Wettbewerbsentscheides erhalten haben, fußt die Überbauung des Westbahnhofes allein auf einer - zugegebenermaßen sehr ausdifferenzierten - Machbarkeitsstudie des Düsseldorfer Büros RKW. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW ist jedoch mit dieser Studie, die sich überdies strukturell stark an dem Reicher- Haase Konzept orientiert, sehr zufrieden und sieht nur wenig Anlass für einen neuen, zusätzlichen Wettbewerb
Robert Mehl, Aachen