Projektart:
Anfrage:
Objekt:
Maria-Lenssen Kolleg
Typ:
Berufsschule
Ort:
Mönchengladbach-Rheydt [Karte]
Staat:
Deutschland
Architekt:
Mascke (1913); Umbau: Jensen & Görgl 🔗, M'gladbach
Materialien:
Altbausanierung
Publiziert:
BS 01/2013
Seiten:
30 - 32
Inhalt:
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Brand- und Denkmalschutz unter einen Hut gebracht

Kein Knistern im alten Gebälk

In Mönchengladbach- Rheydt wurde das denkmalgeschützte Hauptgebäude des Maria- Lenssen- Berufskolleg saniert und an die heutigen Anforderungen des Brandschutzes angepasst. Vorbildlich ist hier die Zusammenarbeit der verantwortlichen Stellen, unter Moderation der planenden Architekten, was zu teilweise bemerkenswerten Detaillösungen führte.<br> Das Maria- Lenssen- Berufskolleg wurde 1870 von ebendieser zur „Förderung der weiblichen Jugend in den Nadelarbeiten“ gegründet. 1902 verstaatlicht, erhielt es 1913 sein Hauptgebäude, das noch heute den Kern eines vierteiligen Ensembles bildet.
Errichtet nach Plänen des Rheydter Stadtoberinspektors Mascke, kann man es durchaus als ein Übergangsprojekt zwischen verschiedenen Baustilen betrachten: So gibt es auf der repräsentativen, nach Norden gewandten Straßenseite neobarocke Details. Es finden sich aber auch Jugendstilelemente in seinem Innern. Beides kann man der ausgehenden Gründerzeit zuschreiben. Die Südseite jedoch, welche sich zu einem kleinen Privatpark hin orientiert, ist eindeutig dem damals aufkommenden Stil der „Neuen Sachlichkeit“ zuzuordnen.
Obwohl das Ensemble noch drei weitere Gebäudeteile aufweist, betraf die Sanierung nur das Hauptgebäude. Mit der Durchführung beauftragt wurden das ortsansässige Büro von Ulrike Görgl und Reiner Jensen, welches sich einen Namen für denkmalgerechte Sanierungen erworben hat. So waren sie auch mit der Sanierung des überregional bekannten Museums Abteiberg in Mönchengladbach betraut.
Aufteilung in Brandabschnitte
Es war erforderlich, das Gebäude in mehrere Brandabschnitte zu teilen und insbesondere die vorhandenen, als Fluchtwege dienenden Treppen von den weiteren Bereichen durch entsprechende bauliche Maßnahmen zu trennen. Nicht zur Anwendung kam das unmittelbare Einfügen von Brandschutztüren in der vertikalen Ebene der dafür ausersehenen Trennwand. Die Denkmalpflege legte Wert auf den Erhalt der historischen Bogenstellungen an den dafür in Frage kommenden Durchgängen. Da die Schaffung eines in diese Rundungen angepassten Oberlichtes dieselben vollkommen entstellt hätte, wurden die erforderlichen, doppelflügeligen Türen aus Brandschutzglas knapp davor platziert. Die alte Bogenstellung im Sturzbereich ist weiterhin von der einen Seite frei erkennbar, von der anderen Seite wird sie wie ein skulpturales Objekt inszeniert. Denn ein auf die Brandschutztür aufgesetztes Oberlicht aus Klarglas lässt dieses Jugendstildetail wie in einer Vitrine platziert erscheinen. Die Distanz der Brandabschnitttür hierzu wurde von den Architekten so gewählt, dass das gläserne Blatt genau durch den Durchgang hindurch aufschlägt und bündig mit dessen gegenüberliegender Putzaussenkante abschließt. Somit werden auch die entsprechenden Durchgangsleibungen artifiziell aufgewertet. Mit einem konstruktiv ähnlichen Detail wurde auch das kleine Nebentreppenhaus zu einem feuersicheren Fluchtweg aufgewertet. Auch hier wurde mit Glastüren gearbeitet, welche die bisherigen „Tapetentüren“ ersetzen, die früher in die durchlaufende, etwa 2 m hohe Holzverkleidung der langen Flure integriert waren. Sie konnten aufgrund ihrer geringen Auffälligkeit, wie auch aufgrund der mangelhaften Feuerhemmung, nicht gehalten werden.
Generell müssen alle in dem Schulkolleg verwendeten, gläsernen Brandschutztüren der Anforderung RST genügen. Im ersten Obergeschoss sind die Auflagen dagegen noch höher. Hier mussten sogar Türen der Klasse T30 RS verwendet werden. Der Grund dafür ist eine divergierende Nutzung der Etage: sie wird als Büroetage eingestuft, da hier die Verwaltung, das Lehrerzimmer und ein großer Computerraum untergebracht sind.
Feuersichere Flure
Tatsächlich stellte die schon erwähnte historische Holzkonstruktion in den Fluren die Planer vor nicht unerhebliche Probleme, da diese natürlich eine kritische Brandlast in den Fluchtwegen darstellt. Allerdings handelt es sich dabei um einen charakteristischen Teil des unter Denkmalschutz stehenden Bestandes. Erhalten werden konnten die Einbauten nicht aufgrund eines einzelnen entscheidenden Argumentes, sondern infolge der Summe einer Vielzahl kleinerer Maßnahmen, die aber allesamt dazu beitragen, die Brandgefahr deutlich zu verringern. Essentiell ist natürlich der Einbau einer Rauchmeldeanlage, welche direkt bei der Feuerwehr aufgeschaltet ist. Da die markanten Schülerspinte aus Massivholz gefertigt sind, war man bereit, die Flächen als schwer entflammbar einzustufen, sofern man die Kleinschränke außer Funktion nimmt und unzugänglich verschließt. So wurden die typischen, mit kunstvoll gedrechselten Holzstäben einst vor Diebstahl gesicherten Zuluftöffnungen in der Sturz- bzw. Sockelzone komplett geschlossen, damit nichts – wie etwa eine brennende Zigarettenkippe – hineingeworfen werden kann. Entsprechend wurden die Spinttüren von innen mit einer hölzernen Blende in identischer Holzfarbe lückenlos kaschiert. Die Brandschutzertüchtigung der ebenfalls vorhandenen, ohnehin verschlossenen Vitrinen bestand darin, dass in ihnen keine auch nur annähernd brennbaren Objekte (z.B. Bücher, Bilder, Urkunden) abgelegt werden dürfen.
Neu geschaffen wurden in den langen Korridoren dagegen Sitzecken für die Schüler aus Holz. Bei diesen besteht die Feuerprotektion darin, dass sie mit Schrauben starr im Boden fixiert sind.
Für die geräumigen Vorbereiche der Haupttreppe in jeder Etage wurden schließlich bequeme Sitzgruppen in Sonderausführungen angeschafft. Sie besitzen einen schwer entflammbaren Stoffbezug und haben eine im Kern feuerhemmende Polsterung.
Stilllegung ganzer Geschosse
Der Dachstuhl ist zum Treppenhaus mit einer Brandschutztür aus Stahl gesichert. Diese soll jedoch mehr die Treppe vor einem brennenden Dachstuhl schützen, als umgekehrt. Allerdings gibt es die Auflage, den Bereich des Daches definitiv nicht als Speicher zu Lagerung von irgendwelchen Objekten zu nutzen. Dieselbe Auflage gilt auch für den Tiefkeller, welcher in früheren Zeiten genau diesem Zweck diente. Auch er muss heute leer sein.
Schulaula
Erwähnung finden sollte noch die Schulaula im dritten Obergeschoss. Sie wird überkrönt von einem repräsentativen Tonnengewölbe, das sich weit in den sich darüber befindlichen Dachstuhl hinein erstreckt. Die historische Leichtbaukonstruktion ist mit Spanndrähten von den darüber geneigt verlaufenden Dachsparren abgehangen. Während die Kassetten zum Saal hin vorbildlich restauriert und instand gesetzt wurden, erhielt das gesamte Tonnengewölbe von oben eine dichte Beflockung aus Mineralwolle. Letztere wurde in einem Druckluftverfahren eingeblasen, da eine flächige Verlegung der Dämmung in Hinblick auf die zahllosen Spannstähle nicht praktikabel gewesen wäre. Natürlich dient die Mineralwolle primär der thermischen Isolation. Allerdings kann diesem grundsätzlich nicht brennbaren Material eine gewisse feuertrennende Wirkung zwischen Aula und Dachstuhl nicht abgesprochen werden. Ein Nebeneffekt über den die Planer sicherlich nicht unglücklich sind.
Fazit
Ein denkmalgeschütztes Gebäude, das sich zudem in öffentlicher Nutzung befindet, unter Aspekten des Brandschutzes zu sanieren, stellt eine enorme Herausforderung dar, die sehr viel planerisches Feingefühl erfordert. Sehr selten wird dieses so stimmig und für alle hieran beteiligen Institutionen befriedigend und überzeugend umgesetzt.
Robert Mehl, Aachen
http://www.dbz.de