Projektart:
Anfrage:
Objekt:
Centrum Kulturalno-Kongresowe (CKK) Jordanki
Typ:
Kultur- und Kongresszentrum
Ort:
Toruń [Karte]
Staat:
Polen
Architekt:
Fernando Menis 🔗, Teneriffa
Materialien:
Picado, Beton
Publiziert:
Beton Bauteile 2019-1
Seiten:
8 - 9
Inhalt:
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Ein Gespräch mit Fernando Menis, Teneriffa

»Die Baustoffunterschiede fordern heraus!«

 
Herr Menis, was war der Anlass für Sie, ganze Ziegel-brocken als Zuschlag für Beton zu verwenden?
Traditionell ist der Ziegelstein das Material par excellence in Torun. Es sollte eine visuelle und kulturelle Verknüpfung mit dieser Tradition geschaffen werden, mit dem kulturellen Erbe der Stadt. Auch gab es den Wunsch des Entdeckens: Wir wollten mit den akus-tischen Qualitäten des Betons und des Ziegelsteins experimentieren und eine Welt neuer Möglichkeiten eröffnen. Schließlich gab es eine ethische Intention:
Wir sind immer bestrebt, lokale Materialien zu verwenden, deren Produktion und Montage die lokale Wirtschaft, die lokalen Unternehmen und Handwerker einbeziehen. In Torun findet man kaum einen dem Ort mehr verbundenen Baustoff als den Ziegelstein, abgesehen vom Beton, der ein universelles Material ist.
Es gab vor allem ein ausschlaggebendes funktionales Argument: Der zerschlagene Ziegelstein zeichnet sich mit seinen Unebenheiten von 3 - 4 cm und seiner Massivität durch exzellente akustische Eigenschaften hinsichtlich der Reflexion und Diffusion des Tons für Konzertsäle aus.
Sicher haben Sie auch »Picado«-Experimente in Ortbeton gefahren? Was sind dort Ihre Erfahrungen?
Wir haben vor dem Bau Experimente in Laboratorien durchgeführt, welche durch anerkannte Institutionen in Spanien und Polen zertifiziert wurden. Später, während des Baus haben wir dem »Picado« in diversen Versuchen Form gegeben, bis wir nach unserer Überzeugung die beste Lösung gefunden haben.
Gibt es bei »Picado« eine Stärke, die besonders effektiv für das Material ist?
Unter »Picado« muss man sich eine Mischung von Beton mit anderen Baustoffen vorstellen. So enthält Beton an sich bereits einen bestimmten Anteil an Sand und Kies. Die Entscheidung, den Beton mit dem einen oder anderen Baustoff zu vermischen, hängt von mehreren Faktoren ab: der gewünschten Funktion beispielsweise durch mehr oder weniger akustische Absorber, dem angestrebten Ausdruck, der Übereinstimmung mit der lokalen Kultur des Bauens und der architektonischen Tradition vor Ort sowie der regionalen Verfügbarkeit der Baustoffe.
Verwenden Sie noch andere Zuschläge bei »Picado« neben den Ziegelsteinbrocken, etwa Sand oder kleinere Kieselsteine?
Die helle Farbe erreichten wir durch Studien zur Bestimmung des Zements, des Sands und des Kies‘ sowie des Ziegelsteins. Die Untersuchungen waren – wie schon erwähnt – entscheidend für uns, da sie uns ermöglichten, den angemessenen Anteil jedes Zuschlags zu finden, um das gewünschte Endresultat zu erhalten.
Wie lange lassen Sie das Material in der Schalung und anschließend aushärten?
Der Herstellungsprozess des »Picado« basiert auf den Eigenschaften des Betons. Die Schalungsdauer variiert sehr, je nachdem, ob es sich beispielsweise um ein stehendes oder liegendes Element handelt oder abhängig von der Außentemperatur und Aushärtungszeit des gewählten Betons. All diese Variablen sind im Bauwesen sehr geläufig und unterscheiden sich auch nicht beim Baustoff »Picado«. Um die charakteristische Porosität der Materialoberfläche zu erhalten, ließ man die üblichen 28 Tage verstreichen und stellte so die notwendige Beständigkeit des Betons sicher.
Beim CKK haben Sie »Picado« teilweise auch an Außenwandflächen eingesetzt. Haben Sie es dort zusätzlich noch behandelt, etwa imprägniert?
Immer wenn Beton in der Fassade verwendet wird, ist es notwendig, ihn vor Witterungsumständen zu schützen, um seine Langlebigkeit sicherzustellen. So auch beim »Picado«, der ein auf Beton basierender Baustoff ist. Bei allen von uns realisierten Projekten wird die Fassade durch eine wasserabweisende Imprägnierung mit Selbstschutz für den Schalungsträger auf Basis von Siloxan geschützt.
Was sind Ihre Erfahrungen mit dem Baustoff und dessen Vorfabrikation?
Das Material »Picado« erlaubt es, die Plastizität eines Baustoffs, wie die des Betons, mit zusätzlichen Eigenschaften des Zuschlags, wie dem Ziegelstein oder dem Vulkanstein, zu kombinieren. So erhielten wir ein angemessenes Material mit den ästhetischen und akustischen Anforderungen jedes einzelnen Bereichs im Gebäude. Hinsichtlich der Herstellung folgt das Material dem Anspruch der Forschung nach neuen Materialien; die Lehre soll diese Forschung in Angriff nehmen. Es stellt immer eine Herausforderung dar, so unterschiedliche Baustoffe zu verwenden, wenn Beständigkeit, akustische Eigenschaften und ästhetische Aspekte gewährleistet werden müssen. Zum Beispiel hat es uns viel Zeit gekostet, die Ordnungsmäßigkeit des Baustoffs in seiner Oberflächlichkeit zu gewährleisten, da wir eine Vielzahl von Versuchen in Laboren realisieren mussten, bis wir das gewünschte Endresultat erhalten haben.
Herr Menis wir danken für das Gespräch!
Robert Mehl, Aachen