Projektart:
Anfrage:
Objekt:
Apostolische Nuntiatur
Typ:
Botschaftsgebäude
Ort:
Berlin [Karte]
Staat:
Deutschland
Architekt:
D.G. Baumewerd 🔗, Münster
Materialien:
Beton
Publiziert:
DBZ-online 01/2016
Seiten:
 
Inhalt:
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Ein Nachruf zum Tode von D. G. Baumewerd

Er baut in Ewigkeit

Mit Dieter Georg Baumewerd starb am 19. Dezember 2015 in Münster sicherlich kein deutscher Stararchitekt, aber einer der letzten Grandseigneurs unserer Zunft, der, zu seiner Zeit bestens vernetzt, das Bild des vornehmen, mit Augenmaß wirkenden Architekten in der jungen Bundesrepublik mitgeprägt hat. Der Architekt aus Münster wurde 83 Jahre alt.
Baumewerd hat Kirchen gebaut - viele Kirchen. Dabei fand er schnell zu einer ovalen Grundrissform mit einem mehr zur Mitte gerückten Altar. Dies sollte sein frühes Markenzeichen im Sakralbau sein. Die Form leitete er unter anderem von dem bekannten frühchristlichen Zeichen, dem Fisch, her. Diese Art der Geometrie wurde im Zuge der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils sehr geschätzt, da fortan der Priester die Messe zur Gemeinde gerichtet hin las und nicht wie zuvor mit Blick auf den Altar. Die letzten Kirchen in dieser für ihn typischen Form konnte er Ende der 1990er Jahre in Neukirchen- Vluyn (Kreis Wesel) und in Leopoldshöhe (Kreis Lippe) realisieren. Nicht zuletzt durch den sinkenden Bedarf an Sakralenbauten, wendete er sich in seiner späten Schaffensphase hochwertig zu planenden, auf eine lange Nutzungsdauer ausgelegten Verwaltungsbauten und dem Museumsbau zu. Projekte, für die allerdings der Gewinn eines entsprechenden Wettbewerbs erforderlich war. So wechselte sich für die gut ein Dutzend Mitarbeiter seines Büros die Wettbewerbsarbeit mit der der Ausführungsplanung ab.
Zu den realisierten Bürobauten dieser letzten Periode zählten u.a. die Münsteraner Sparkassen- Hauptverwaltung an der Weseler- Straße, die Apostolische Nuntiatur in Berlin (vulgo: Die Botschaft des Vatikan) und die Neubauten der Deutschen Botschaften in Santiago de Chile, in Madrid und in Paris.
Dieter Georg Baumewerd wurde 1932 als Sohn des Dom- und Diözesanbaumeisters Wilhelm Baumewerd (1900-1962) im ostpreußischen Braunsberg (heute: Braniewo) geboren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrt die aus Münster stammende Familie dorthin zurück, wo noch das großelterliche Haus stand. Tatsächlich wohnte er bis zuletzt in diesem zweigeschossigen Wohnhaus, das ganz nah am bekannten Alleenring, der Promenade, steht. Hier ist auch sein Büro untergebracht.
In den Nachkriegsjahren 1948 bis 1951 absolvierte er zunächst eine Malerlehre und war danach zwei Jahre auf Baustellen tätig. Ab 1953 machte er im väterlichen Büro – auf seine Berufserfahrungen im Bau aufbauend – eine Bauzeichnerlehre und studierte im Anschluss daran an der Düsseldorfer Kunstakademie Architektur. Dort wurde er Meisterschüler von Rudolf Schwarz, dem bedeutenden Aachener Kirchenbaumeister und einem der ersten Modernisten, in dessen Kölner Büro er in der Folge studentischer Mitarbeiter wurde. Über die dortige Tätigkeit lernte Baumewerd auch den nur sechs Jahre älteren Oswald Matthias Ungers kennen, der sich unweit des Schwarz’chen Hauses frisch niedergelassen hatte. Bis zu Ungers Tod im Jahr 2007 verband beide eine enge Freundschaft.
1962 starb Baumewerds Vater überraschend und er kehrte nach Münster zurück, übernahm das bestehende Büro und führte die laufenden Projekte fort. Bald verzeichnete er die ersten eigenen Wettbewerbserfolge und konnte auf eigene Realisierungen verweisen. 1971 erhielt er einen Ruf als Architekturprofessor an die FH Dortmund für die Fächer Entwerfen und Innenarchitektur. Er lehrte dort bis 1997.
Baumewerd war von 1987 bis 1997 BDA- Vorsitzender in NRW und von 1987 bis 2001 Mitglied der Arbeitsgruppe für kirchliche Architektur und sakrale Kunst (AKASK) der Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz. Für seine Verdienste wurde er im Anschluss an diese Tätigkeit mit dem Päpstlichen Gregoriusorden ausgezeichnet.
Stilistisch hat sich Baumewerd weiterentwickelt, weg von der bauchigen Kirchenform, hin zu einem sehr reduzierten, orthogonal-flächigem Gebäudetypus. Charakteristisch für ihn sind seine ausgesprochen schmalen, brüstungsfreien, jedoch geschosshohen Fenster, die er gerne zu einer vielzähligen Schar ordnete. Seine Details waren geprägt von einer schlichten Wertigkeit, die Eleganz, aber auch Langlebigkeit ausstrahlte. Insbesondere bei den Sakralbauten ging es Baumewerd nie darum, Reichtum zur Schau zustellen, sondern vielmehr eine Architektur zu schaffen, die in ihrer Ausstrahlung so zeitlos, wie in ihrer Detaillierung so wertig ist, dass sie den Vergleich mit sakralen Bau- Ikonen, bezogen auf ihre jeweilige Entstehungszeit, nicht zu scheuen braucht. Tatsächlich haben viele seiner Bauten den unausgesprochenen Anspruch, für die Ewigkeit gebaut zu sein. Mögen sie ihm ein fortwährendes Denkmal sein!
Robert Mehl, Aachen