Projektart:
Anfrage:
Objekt:
Stahlwerk Becker
Typ:
Städtebauliche Realisation
Ort:
Viersen-Willich [Karte]
Staat:
Deutschland
Architekt:
Heinz Jahnen Pflüger 🔗 (Städtebau)
Materialien:
städtebauliche Konversion, Sanierung
Publiziert:
DBZ 12/2014
Seiten:
4
Inhalt:
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Ehemalige Halle 18 des Stahlwerks Becker, Willich

Modernes Wohnen im Industriedenkmal

Willich gehört zu Viersen und liegt vielleicht 10 km nordöstlich von Mönchengladbach. Dort befinden sich die ehemaligen Stahlwerke Becker, die ein 400 ha großes Areal einnehmen. Infolge des Strukturwandels sind heute die meisten Hallen abgerissen, auf dem Gelände gibt es vielleicht noch 10 Bauten aus der Vorkriegszeit, die allesamt unter Denkmalschutz stehen.
Schon Mitte der 1990er Jahre hat das Aachener Architekturbüro Heinz Jahnen Pflüger Planer (HJP Planer) für das Gesamtareal den heutigen städtebaulichen Rahmenplan entwickelt. Dieser beinhaltete ins besondere die Schaffung der heutigen Erschließungsmagistralen und die Anlage einer quer dazu verlaufenden „Wassergracht“. Auf deren Konzept beruht der Erhalt der relevanten Solitärbauten, von denen das Büro selbst bis heute drei bereits saniert hat. Dabei wurde die ehem. Halle 4 zu einem beeindruckend großen Stahlrohrlager und die ehem. Halle 33 zu einem Gründerzentrum umgebaut sowie in der ehem. Halle 18 eine neue Form eines modern-urbanen Wohnens geschaffen. Zur Sanierung stehen derzeit noch der ehemalige Wasserturm und das frühere Wasserwerk an. Das Areal weist aktuell sowohl flugfeldartige Brachen, wie auch zahlreiche, durchaus ambitionierte Industriebauten von verschiedensten Architekten auf, die für diverse Unternehmen erbaut wurden. Hier residieren viele Firmen, welche die sicherlich verhältnismäßig billige, aber dennoch verkehrsgünstige Lage in unmittelbarer Nähe zur Landeshauptstadt Düsseldorf für sich nutzen.
Modernes Wohnen im Industriedenkmal
In der denkmalgeschützten Halle 18 wurde eine neuartige Form des urbanen Wohnens auf der Basis eines Haus-im- Haus- Prinzips geschaffen. Die Halle besitzt ähnliche Ausmaße wie die schon erwähnte Stahlrohrhalle. In diese hier wurde hingegen ein viergeschossiger Baukörper eingestellt. Dessen Erdgeschoss ist ausschließlich vom Willicher Ortszentrum aus erreichbar. Hier haben sich ein großer Discounter, eine Drogerie, sowie die typischen, dies flankierenden Kleingeschäfte angesiedelt. Den Wohnbereich hingegen erreicht man über zwei abschließbare Eingänge auf der Rückseite. Somit ist der Bereich letztlich eine moderate Variante einer „Gated Community“, da sich an diese Eingänge ein halbwegs natürlich bewitterter annähernd parkartiger Bereich anschließt: Alle früheren Glasflächen (Sheds im Dach, Hallenfenster) wurden entfernt, sie sind heute nur noch durch leere Stahlrahmen angedeutet und permanent offen (Vögel können problemlos hinein fliegen). Auf dem durchgehenden Flachdach des eingeschossigen Einkaufszentrums wurden beidseitig einer Mittelachse zwei Reihen mit jeweils sechs Wohnhäusern (3 Doppelhäuser pro Seite) geschaffen. Dabei ist die untere Ebene immer ein Einzelappartement, das mittlere und das obere Geschoss eines jeden Hauses bilden hingegen eine Mezzaninwohnung. In Architektenkreisen wird dieses Projekt derzeit ausgesprochen interessiert zur Kenntnis genommen, da es eine neue Form eines Umgangs mit denkmalgeschützten Industriebauten darstellt.
Robert Mehl, Aachen