Projektart:
Anfrage:
Objekt:
Typ:
Büro- und Verwaltungsgebäude
Ort:
Den Haag [Karte]
Staat:
Niederlande
Architekt:
Jean Nouvel 🔗, Paris
Materialien:
Stahl, Glas, Slimline-Decken 🔗
Publiziert:
structure 16.08.2018
Seiten:
online
Inhalt:
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Neubau Europäisches Patentamt, Den Haag

Ein Stahl- Beton- Hybrid

Der Neubau des Europäischen Patentamt bei Den Haag ist 17 Stockwerke hoch, aber nur 12 m breit. Seine hohlen Geschossdecken verbinden die Vorteile von Hohlraumfußböden mit der statischen Höhe stählerner Horizontalträger.
Die Verwaltung des Europäischen Patentwesens wird tatsächlich von dem bekannten Münchener Amt aus gesteuert. Allerdings unterhält das Amt seit Anfang der 1970er Jahre bei Den Haag eine entsprechende Außenstelle. Der Gebäudekomplex wird nun teilweise durch eine in manchen Bereichen nur 12 m breite, jedoch 17-geschossige Hochhausscheibe des französischen Architekten Jean Nouvel ersetzt. Die Fertigstellung war bereits für Mai geplant, verzögert sich jedoch derzeit; der Bau soll aber noch in diesem Jahr bezogen werden. Er besitzt eine Nutzfläche von 80.000 m² und bietet Arbeitsplätze für 1.750 Werktätige.
Statisch relevanter Hohlraumboden
Der Rohbau ist ein Hybrid, der die Vorteile von Stahl (Spannweiten, Schlankheit) mit denen von Beton (Brand-, Schallschutz plus Schwingungsdämpfung) verbindet. Dazu wurden die 30 mm starken Untergurte der horizontalen, 450 mm hohen IPB- Träger werksmäßig in 80 mm dicke Betonfertigteile eingegossen. Mittelsteg und Obergurt blieben offen, sie bilden quasi die Spreizfüße eines Hohlraumbodens für die Haustechnik, deren Verlegung so in den Zwischenbereichen möglich wurde. Die erforderlichen TGA- Durchlässe wurden zuvor im Werk in die Mittelstege der Stahlpfetten geschnitten. Abgedeckt wurde die Konstruktion - ähnlich einem klassischen Hohlraumboden - mit Bodenplatten, die im Wartungsfall aufgenommen werden können. Das oft geschmähte Wort "innovativ" ist insofern angebracht, da mit dieser Bauweise Abhangdecken oder Hohlraumfußböden als eigenständige Konstruktionen entfallen können. So werden bislang im TGA- Bereich gebundene Gelder umgeschichtet und kommen so dem Rohbaugewerk und damit auch der Gebäudestatik zu Gute.
Hängender Garten
Erwähnenswert ist bei diesem Bau auch Nouvel's neuartige Interpretation hängender Gärten: Über die gesamte Gebäudehöhe ist ein vertikal offener Wintergarten vorgelagert; er dient primär als Schallschutz vor der davor verlaufenden Autobahn. Darin eingehängt sind zudem auf allen Geschossen großformatige Pflanzrinnen mit externer Begrünung. Grundsätzlich sind sie unzugänglich, vermitteln den Werktätigen auch in den oberen Geschossen jedoch das Gefühl, sie säßen mitten im Grünen - bei einem Blick zum Horizont!
Robert Mehl, Aachen
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