Projektart:
Anfrage:
Objekt:
Typ:
Superschlankes Wohnhochhaus
Ort:
New York [Satellit]
Staat:
USA
Architekt:
Rafael Viñoly 🔗, New York
Materialien:
Ultrahochleistungsbeton
Publiziert:
structure 16.07.2018
Seiten:
online
Inhalt:
[Artikel]  [2]      
 

Superschlanke Wohnhochhäuser, New York

Schwindelerregend

In New York schnellen analog zu den Grundstückspreisen die Bauhöhen von Wohnbauten in ungeahnte Höhen. Rund um den Central Park entstehen derzeit verstärkt superschlanke Wohnhochhäuser. Der Preis spielt keine Rolle, nur schwingen dürfen sie nicht.
Bedingt durch die weltweit niedrigen Zinsen ist auch in New York City der Wohnungsmarkt vollkommen überreizt. Analog zu den Grundstückspreisen wachsen deshalb auch die Immobilien in ungeahnte Höhen. Zunehmend entstehen superschlanke Wohnhochhäuser, sogenannte "Super- Slender- Skyskraper“, die die Grenzen des technisch Machbaren ausreizen.
So vollendete im Vorjahr der US- Architekt Rafael Viñoly etwa die "432 Park Avenue" nahe dem Central Park auf einer Grundfläche von 28 m x 28 m und einer Gebäudehöhe von 426 m. Der Schlankheitsgrad des Wohnhochhauses beträgt damit 15:1. Zum Vergleich: Das Verhältnis beim Empire State Building liegt bei 6:1. Nur vier Blocks weiter, an der 111 West 57th Street entsteht derzeit mit dem "Steinway Tower" ein Bau, der einmal einen Schlankheitsgrad von 24:1 aufweisen wird. Und auch die Basler Architekten Herzog de Meuron haben hierzu an der 56 Leonard Street ihren architektonischen Beitrag geliefert.
Während es statthaft ist, dass Bürohochhäuser bei widrigem Wetter noch geringfügig schwanken, ist dies für die Residenzen der Superreichen (und niemand anderes wohnt in diesen Gebäuden) undenkbar, weshalb die Schwingungsdämpfung bei diesen Bauten ein zentrales Thema ist: In der Regel werden große Wassertanks in die Turmspitzen eingehängt, um Schwankungsbewegungen durch Massenträgheit zu bremsen. Zudem ist die Außenhaut extra steif ausgeführt und ein essentieller Teil des Tragwerks. Entsprechend ist das Baumaterial der Wahl großzügig eingesetzter Ultrahochleistungsbeton. Aussteifende Strategien, die sich an einer Grashalmstatik orientieren, werden hier angewandt; gerne wird auch mit diskret realisierten Diagonalverbindungen zum Gebäudekern gearbeitet. Beim Viñoly- Bau sind dies vier Technikgeschosse, die zudem in einer halboffenen Bauweise ausgeführt sind. Seitenwinde fallen hier ein und umströmen ein zentrales, zylindrisches Betonvolumen. So entsteht - wie bei einer Flugzeugtragfläche - ein turmstabilisierender Sog.
Robert Mehl, Aachen
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