Projektart:
Anfrage:
Objekt:
Oper Sydney (Erweiterung)
Typ:
Opernhaus
Ort:
Sydney [Karte]
Staat:
Australien
Architekt:
Jørn Utzon 🔗, Kopenhagen
Materialien:
Betonfertigteile
Publiziert:
BFT 11/2006
Seiten:
4 - 6
Inhalt:
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Erweiterung der Oper von Sydney

Symphonie aus Fertigteilen

Zweifellos gehört das Opernhaus von Sydney zu den bedeutendsten Bauwerken der Welt. Wenig bekannt dabei ist, dass der Bau aus Betonfertigteilen errichtet worden ist. Nunmehr hat er die erste Erweiterung seit seiner Vollendung im Jahre 1973 erhalten.
Stets in einem Atemzug genannt mit dem Pariser Eiffelturm, Big Ben oder der Freiheitsstatue kann dieser Bau getrost als das bedeutendste von Menschenhand geschaffene Wahrzeichen Australiens bezeichnet werden. Wenig bekannt dabei ist ein Umstand, der sich dem kundigen Besucher der 1973 vollendeten Architekturikone, sofort erschließt. Das am intensivsten genutzte Konzerthaus in der Welt ist nicht nur eine Kathedrale der Musik, der Bau ist auch ein Kunstwerk aus Fertigteilen.
Erkennbar wird dieses in der Untersicht der berühmten und so charakteristischen sphärischen Dachkonstruktion, die mit weiß glasierten Keramiken belegt, mal mit einer Muschel, mal mit einem Segelschiff verglichen wird. Die spantenartigen Fertigteilunterzüge, die radial wie bei einer Papierlaterne angeordnet sind, fußen alle auf einem Knotenpunkt.
Die Geometrie der darauf aufgebrachten, gekrümmten und ineinandergeschobenen Dachflächen stellte seinerzeit die Ingenieure vor ein schier unlösbares Ausführungsproblem, dessen Lösung der Architekt 1961 schließlich selber fand und als "sphärische Lösung" bezeichnete: Dabei entnahm er die Schalensegmente alle derselben Kugelfläche, "so dass die Dachrippen meridionalen Kurven auf Sphären mit demselben Radius folgen konnten". Alle diese Elemente wurden als Betonfertigteil vor Ort vorproduziert.
Der gesamte Sockelbereich mit seinen Wandflächen, dem oberen Plateau und der dazugehörigen Uferpromenade ist mit großformatigen Fertigteilen verkleidet bzw. belegt. Die Kanten aller dieser Elemente sind einheitlich abgerundet und verleihen dem Sockelbereich auch im Detail eine einheitliche Optik. Der auffällige rötliche Farbton basiert auf dem Zuschlag eines ortstypischen Granitsteines, der in einem Steinbruch desselben Bundesstaates gewonnen wird, in dem auch Sydney liegt.
Seit Beginn des neuen Jahrtausends wurden umfangreiche Umbau- und Sanierungsarbeiten an dem Bau durchgeführt, die das Gebäude an die veränderten Anforderungen herangeführt haben. Dies beinhaltete auch den ersten Eingriff in die sichtbare Konstruktion seit der Fertigstellung vor 33 Jahren. Der monolithisch-geschlossene Sockel wurde zum Hafen hin auf der westlichen Seite mit einer Glasfront auf Höhe der Uferpromenade geöffnet.
Mit dem Umbau wurden neun Öffnungen geschaffen, die durch eine 45 m lange Kolonnade von außen gefasst werden. Drei der neuen Durchbrüche dienen nunmehr als Zugang, während die restlichen sechs mit einer niedrig angesetzten Festverglasung geschlossen wurden. Dabei wurden die Fensterprofile von außen bündig auf die entsprechend ausgesparte Sichtbetonleibung montiert, so dass in der Innenansicht Stein auf Glas stößt.
Um die Erweiterung so gut wie möglich in den Bestand einzupassen, wurde für die Herstellung der Fertigteilverkleidung der neuen Kolonnade und auch für die notwendigen neuen Fassadenelemente des Sockels die ursprüngliche Betonzusammensetzung mit dem originalen rötlichen Granitzuschlag verwendet. Ebenfalls wurde bei der Ausführung auf die exakte Ausbildung der charakteristischen Kantenrundung geachtet. Die neuen Elemente, die allesamt in dem Fertigteilwerk von Hanson Precast hergestellt worden sind, haben eine Größe von bis zu 1.200 mm x 6.600 mm.
Um die Oberflächen der freistehenden Stützen so glatt und porenfrei wie möglich auszuführen und um makellose scharfkantige Ecken zu erzielen, wurden diese aus Selbstverdichtendem Beton hergestellt. Der Produzent entschied nach verschiedenen Testläufen, die 400 mm x 400 mm x 3.000 mm messenden Pfeiler in aufrechter Position zu gießen. Dabei wurde der Beton von unten in die Stahlform gepumpt. Damit kam diese Fertigungsmethode zum ersten Mal in Australien zur Anwendung.
Das Projekt wurde im März diesen Jahres von Queen Elisabeth II. feierlich eingeweiht. Nunmehr folgt die nächste Phase der Sanierung des Opernhauses, die den umbau der westlichen Foyers nach den aktuellen Plänen des Architekten beinhaltet. Sein neuerliches Engagement begründet Utzon dem Menschen und der Nachwelt zuliebe: Um den menschlichen Aspekt von Architektur sei es ihm immer nur gegangen. Genau dafür hat er 2003 den renommiertesten Architekturpreis der Welt erhalten: den Pritzker- Preis.
Robert Mehl, Aachen