Projektart:
Anfrage:
Objekt:
Neue Norderelbbrücke
Typ:
Schrägseilbrücke
Ort:
Hamburg [Karte]
Staat:
Deutschland
Architekt:
gmp Architekten 🔗, Hamburg
Materialien:
Stahl, Beton
Publiziert:
structure 05.06.2019
Seiten:
online
Inhalt:
[Artikel]      
 

Neue Norderelbbrücke der A1 bei Hamburg

Formaler Spagat

Im Zuge des 8-streifigen Ausbaus der A 1 wird mittelfristig die bestehende, schadhafte Norderelbbrücke durch einen Neubau ersetzt. Alle Arbeiten des Realisierungswettbewerbs, den gmp zusammen mit LAP gewonnen hat, werden vom 03. - 30.06.2019 in einer Ausstellung gezeigt.
Die bestehende Norderelbbrücke wurde 1963 nach den Entwürfen der Architekten Jux und Freese geschaffen. Sie ist einerseits sanierungsbedürftig, andererseits aber ohnehin viel zu schmal, da langfristig die gesamte A1 auf vier Richtungsfahrstreifen mit Seitenstreifen ausgebaut werden soll. Für die Schaffung eines Ersatzneubaus wurde ein Realisierungswettbewerb ausgelobt, deren Arbeiten allesamt zwischen dem 03. - 30.06.2019 in der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen, in der Neuenfelder Strße 19 in 21109 Hamburg gezeigt werden.
Die Wettbewerbsjury unter Vorsitz von Prof. Dr. Mahrzahn vom BMVI (Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur) hatte sich bereits im vergangenen Februar für den Entwurf der Planungsgemeinschaft aus Gerkan Marg und Partner Architekten (gmp) und Leonhardt Andrä und Partner (LAP) entschieden. Bewusst wählte man einen weniger exaltierten Entwurf, um das vorhandene, naturnahe Landschaftsbild nicht stärker als bisher zu gefährden. Dem zweitplatzierten Konzept der Planungsgemeinschaft Grassi Architekten/PPL Architektur und Stadtplanung attestierte man hingegen eine besondere solitäre Stärke, die nicht gewollt war. Dennoch galt es bei aller landschaftsplanerischer Zurückhaltung eine Landmarke zu schaffen, die dem Verkehrsteilnehmer signalisiert, dass er soeben die Elbe überquert, ein formaler Spagat, den man beim Siegerentwurf erfüllt sah.
Tatsächlich betrachten gmp wie auch LAP ihren Entwurf als eine evolutionäre Fortentwicklung Vorgängerbauwerkes: Wie dieses handelt es sich um eine Schrägseilbrücke, nunmehr jedoch in einer gedoppelten Ausführung, die aus zwei parallelen Brückenkästen und insgesamt sechs Pylonen besteht. Infolge der Ufertopografie ergab sich neben dem die Fahrrinne überspannenden Hauptfeld zwei unterschiedlich weit spannende Nebenfelder. Auf diese Tatsache reagierten die Planer so markant wie überraschend mit zwei unterschiedlich hohen Pylonenscharen. Während die niedrigeren Pylone jeweils mit zwei Schrägseilpaaren ausgestattet sind, weisen die Höheren drei davon auf. Jede Doppelbrückenhälfte wird vier Fahr- sowie einen Randstreifen aufnehmen. Zusätzlich wird auf der Südflanke der Brücke, jedoch konstruktiv von davon losgelöst, eine Fuß- und Radwegquerung über die Elbe geschaffen. Sie ist wie die beiden Fahrtrichtungen ein separater Hohlkastenträger, der eine Pylonbreite Abstand zu dem benachbarten Fahrbahnbrückenkörper hat. Intendiert wurde damit die Schaffung eines gewissen Abstands zum fließenden Verkehr und ein offener Blick auf den Fluss. Die Brücke wird eine silbern-helle Beschichtung erhalten, die die Farbe sowohl des Wassers, wie auch des Himmels reflektiert und die filigranen Schrägseildetails optisch in Szene setzt.
Die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (DEGES) betreut die Realisierung im Auftrag des Bundes. Das Planfeststellungsverfahren ist ab 2021 vorgesehen, der Bau wird frühestens 2024 beginnen.
Robert Mehl, Aachen
https://www.structure-magazin.de/artikel/neue-norderelbbruecke-der-a1-ausstellung-in-hamburg-34243