Projektart:
Anfrage:
Objekt:
ehem. "Museum am Ostwall"
Typ:
Museum
Ort:
Dortmund [Karte]
Staat:
Deutschland
Architekt:
G. Knobloch (1872) F. Kullrich (1911) 🔗
Materialien:
Backstein, Stahl, Glas
Publiziert:
Bauwelt 03/2015
Seiten:
6
Inhalt:
[Artikel]      
 

Ehemaliges Museum am Ostwall

Keine Leere im leeren Museum

Im Jahr 2010 zog das seit 1911 bestehende Museum am Ostwall in das sanierte Dortmunder U um. Im Altbau präsentiert derzeit Muck Petzet, 2012 verantwortlich für den Deutschen Pavillon auf der Biennale von Venedig, noch einmal sein damaliges Konzept „Reduce, Reuse, Recycle“. Es ist eine Hommage an das Gebäude, bei dem dieses selber zum Exponat wird.
Lange Zeit galt das Dortmunder Museum am Ostwall als die Neuerrichtung eines völlig zerstörten Vorgängerbaus. Dabei habe man in den 1950er Jahren lediglich die ursprüngliche Kubatur beibehalten. Noch heute steht dies fälschlicherweise auf der bronzenen Tafel im daran angrenzenden Museumspark. Doch Sonja Hnilica vom Lehrstuhl Geschichte und Theorie der Architektur (GTA) an der TU Dortmund hat in ihren entsprechenden Forschungen nachgewiesen, dass der heutige Bau in weiten Teilen nur eine Instandsetzung der ersten großen Gebäudeumnutzung von 1911 ist. Damals war der Bau von einem Oberbergamt in ein Museum umgebaut worden. Und bereits zu dieser Zeit erhielt der vorhandene Innenhof sein heutiges Glasdach, das lange Jahre als Nachkriegszutat galt. Die Fensteröffnungen mit ihren gerundeten Stürzen stammen sogar noch aus der Zeit davor, nämlich von 1872. Lediglich der ursprüngliche Mittelrisalit wurde in der Nachkriegsversion vermieden, um potenziell faschistische Anmutungen zu vermeiden.
Mit dem Umzug der Kunstsammlung in das Dortmunder U wurde der Altbau obsolet. Da sich kein Nachnutzer fand, beschloss die Stadt zunächst, das Grundstücke einem Investor zu überlassen, der alles abreißen und ein Altenstift errichten wollte. Dagegen formierte sich jedoch rasch Widerstand, zu dem auch Professor Wolfgang Sonne, Leiter des GTA, zählt. Er setzt sich dafür ein, dass der ehemals museale Bau fortan als Archiv für Baukunst genutzt wird.
Namhafte Mitstreiter
Ebenfalls für den Erhalt dieses Altbaus setzt sich die Landesinitiative StadtBauKultur NRW 2020 ein. Für eine kleine, aber feine Ausstellung, die leider nur bis zum 1. Februar 2015 gehen wird, konnte sie Muck Petzet gewinnen, der hier noch einmal Auszüge seines 2012er Architekturbiennale- Konzeptes zeigt. Der ehemalige Kurator des Deutschen Pavillons hatte seine damalige Ausstellung mit „Reduce, Reuse, Recycle“ überschrieben und damit die Wahrnehmungsveränderung in der Architektur thematisiert. Generell geht es ihm darum, durch minimal-invasive Eingriffe bestehende Bauten umzunutzen und eben diese minimale Veränderung zu einem formalen Thema zu machen. Treffend analysiert er, dass „der Wert eines Objektes immer im Auge des Betrachters liegt“ und es nur geeigneter Strategien bedürfe, diese Wertschätzung bewusst zu lenken. Man müsse die Wahrnehmung gezielt steuern, damit der Betrachter die gezeigte Ästhetik anders, nämlich positiv bewerte.
Das ehemalige Museum am Ostwall ist für ihn ein Paradebeispiel, in dem er einerseits seine Inhalte zeigt, das aber gleichzeitig auch begehbares Exponat ist. So finden sich erklärende Texte in zwei Farben und es gibt ein duales Ausstellungsführerkonzept. Die roten Zeilen auf den Wänden weisen auf die Baugeschichte des Hauses hin, die weißen Texte auf dem Fußboden erläutern hingegen die geschosshohen Bilder der Ausstellung.
„Leer“ heißt nicht ungenutzt
Wirklich bemerkenswert ist die Nutzungsintensität des nominell „ungenutzten“ Ortes. Die Ausstellung ist deshalb zeitlich so begrenzt, weil schon im Februar ein länger angemeldetes Projekt hier aufgebaut wird. Auch früher konnten die aktuellen Ausstellungsmacher die Räume nicht nutzen, weil andere Veranstaltungen noch andauerten. Tatsächlich scheint es einen nicht zu unterschätzenden Bedarf an kostengünstigen und dazu geeigneten Ausstellungsflächen zu geben. Wäre das nicht eine tolle Nachnutzung für den Bau?
Ihn einfach so zu erhalten und zu nutzen, wie er ist?
Robert Mehl, Aachen
Das ehemalige Museum am Ostwall. Der Haupteingang liegt unter dem gläsernen Risaliten
Der heutige Glaskuppelsaal ist der ehemalige Innenhof des Bergbauamtes von 1872. Die heutige Glaskuppel kam schon 1911 mit dem Museumsumbau hinzu
Das Gebäude selber ist ein Ausstellungsexponat. Es wurde prominent in der Apsis platziert. Ursprünglich war hier der Aufgang in die Wohnung des Bergbaudirektors
Die Bildtexte wurden weiß auf die Böden lackiert (sic!), Hinweise zur Baugeschichte in rot dagegen auf die Wände. Bewusst wurden keine Klebebuchstaben genommen. Es wurde eine Verbindung zwischen Exponat und Gebäude gesucht
Die Ausstellung inszeniert bewusst das Provisorische. So sind die Fotostrahler ein bewusstes Stilmittel. Der Besucher soll sich auf die zahlreichen Stühle setzen und die umfangreichen Textmaterialien mit Muße und gerne mit einem dargereichten Kaffee studieren
Im Untergeschoss des Gebäudes, auf dem Weg zur Toilette finden sich inszenierte Reste des ursprünglichen Baus