Projektart:
Anfrage:
Objekt:
Typ:
Bahnhof
Ort:
Mekka [Karte]
Staat:
Vereinigte Arabische Emirate (VAE)
Architekt:
Foster + Partners 🔗, London
Materialien:
Stahl, Glas
Publiziert:
structure 11.07.2019
Seiten:
online
Inhalt:
[Artikel]      
 

Haramain- Express Medina- Mekka

Schneller Pilgern

Die beiden islamischen Pilgerstädte Mekka und Medina sind mit einer 453 km langen Hochgeschwindigkeitsstrecke, dem Haramain- Express miteinander verbunden. Das britische Architekturbüro Foster + Partner hat die dazugehörigen fünf Bahnhöfe auf Basis eines gemeinsamen 27 m²-Moduls entwickelt.
Ein bisschen ist es wie in der Anfangszeit des Eisenbahnwesens, bei der die verschiedenen Gesellschaften auf von einander getrennten Schienennetzen fuhren; die Kopfbahnhöfe von Paris zeugen noch davon: Der Haramain- Express pendelt tatsächlich auf einer vollkommen eigenen Trasse zwischen den beiden islamischen Pilgerzentren Mekka und Medina. Entsprechend sind die beiden Endstationen Kopfbahnhöfe. Dazwischen hält der Zug noch in der Metropole Dschidda sowie in dessen Satellitenhafen King Abdullah Economic Centre (KAEC), ferner gibt es eine Anbindung zum King Abdullah Airport, wo ein weiterer Kopfbahnhof entstanden ist.
Nominell ist die 453 km lange Strecke mit Jahresbeginn 2018 in Betrieb gegangen, eine maximale Reisegeschwindigkeit von 300km/h ist vorgesehen. Der Bau der Gleisanlagen und der Bahnhöfe erfolgte unabhängig voneinander, so dass die repräsentativen Haltepunkte erst in der Folgezeit nach und nach in Nutzung gingen. Anlass für den Bau der Strecke ist der schnellere und sichere Transport islamischen Pilger zu den heiligen Städten des Islam. Die maximale Streckenkapazität umfasst 160.000 Reisende pro Tag, bei einem möglichen 10-Minuten Takt. Die Reisezeit zwischen Mekka und Medina beträgt 2:20 h. Sowohl in Mekka wie in Dschidda verfügen die Bahnhöfe über eine kurze, fußläufige Anbindungen zum innerstädtischen U- Bahnnetz.
Gemeinsame Designelemente
Alle fünf Stationen basieren auf einem, gemeinsamen 27 ²m² großen Hallenmodul und zeigen gemeinsame Designelemente. Stahlsäulen und -bögen formen zusammen freistehende Baumstützen, die sich innerhalb eines quadratischen Rasters wiederholen und sich zu einer gewölbartigen Deckenstruktur verbinden. Tatsächlich handelt es sich um asymmetrisch gezogene, nach oben verjüngende Stahlrohrprofile, die die eigentlichen Deckenfläche segmentieren. Diese Teilbereiche wurden mit Metallpaneelen ausgefacht, mit kleinen verglasten Lichtöffnungen durchbrochen sind. Die Konstruktion soll an traditionell arabische Bauten erinnern. Das Glas dieser Öffnungen ist in jeder der fünf Stationen andersfarbig angelegt. Dies soll genauso eine intuitive Orientierung erleichtern, wie der Umstand, dass bewusst nur wenige Ebenenversprünge geschaffen wurden. Bis zu 20.000 Fahrgäste/h können auf allen Bahnhöfen gleichzeitig abgefertigt werden, die Anordnung der Boarding- Einrichtungen erfolgt grundsätzlich in Zugfahrtrichtung.
Mashrabiya- Fassade
Die Innenräume sind als Erholungsräume vom Wüstenklima zu betrachten, das täglich zwischen -5°C und +55°C schwanken kann. Die erwähnten Glasöffnungen der Decke lassen einerseits Tageslicht als kleine Lichtbündel in die Bahnhofshallen einfallen und stellen damit einen Tageslichtbezug her. Ihr geringer Durchmesser verhindert aber einen direkten Strahlungswärmeeintrag in das Gebäude. In allen Bahnhöfen reduziert sich die Temperatur merklichen merklich vom Eingang bis zum Bahnsteig, ohne dass dafür eine durchgehende mechanische Kühlung erforderlich ist. An den Bahnsteigen wird die Temperatur auf 28°C gehalten mittels großer Gebläse und Feuchtigkeitszerstäuber.
Dekorative Fassadengitter, die an traditionellen Mashrabiyas orientiert sind, wurden zusätzlich außen an der Glasfassade angebracht. Sie tragen konstruktiv zum Sonnenschutz bei, gewähren aber gerade bei Dunkelheit Einblicke in den Bahnhof.
Robert Mehl, Aachen
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