Projektart:
Anfrage:
Objekt:
Galzig-Bahn
Typ:
Seilbahntalstation
Ort:
St. Anton [Karte]
Staat:
Österreich
Architekt:
Driendl Architekten, Wien
Materialien:
Stahl, Glas, Beton
Publiziert:
DBZ 02/2008
Seiten:
8
Inhalt:
[Artikel]      
 

 

Ausgezeichneter Draht nach oben

Die Galzigbahn in St. Anton erhält den „International Chicago Architecture Award 2007“
Moderne Zeiten: Wie einst Charlie Chaplin hängen nunmehr große Seilbahngondeln an überdimensionalen Zahnrädern. Die im Durchmesser 9,30 m messenden Rotationsscheiben kuppeln die Kabinen aus dem umlaufenden Tragseil aus und führen sie nach unten, wo jeweils 28 Passagiere einsteigen können. Anschließend wuchtet ein weiteres Riesenrad die Kabine wieder nach oben und die Reise zum 2185 m hohen Gipfel des Galzig, dem Hausberg von St. Anton in Tirol, beginnt erneut.
Die Maschinerie, die den zumeist mit schweren Skischuhen bewehrten Passagieren das mühsame Erklimmen des ersten Obergeschosses der Talstation erspart – bis zu 2200 Skifahrer pro Stunde -, wird präsentiert wie ein historisches Uhrwerk unter einem Glassturz. Besonders nachts beeindruckt der Bau durch die Beleuchtung der Mechanik und den permanenten, internen Umlauf zweier Gondeln. Die Hubmechanik resultiert aus der Notwendigkeit, einen Mindestabstand der ein- und ausfahrenden Seilbahnkabinen zum Erdboden sicherzustellen. Andernfalls bestünde die Gefahr von Zusammenstößen mit Pistenfahrzeugen oder gar Skifahrern.
Die Talstation wurde von dem Wiener Architekturbüro Driendl entworfen. Sie achteten besonders darauf, die Fassade von den Schwingungen der Seilbahnkonstruktion zu entkoppeln. Nur so ließ sich die dauerhafte Funktion der expressiv-technoiden Fassade sicherstellen, die als eine Metapher für die Dynamik der Seilbahn und der Schwungräder zu lesen ist. Die neue Seilbahn arbeitet nach dem Funitel- System. Dabei werden die Gondeln zwischen zwei parallel laufende Tragseile eingehängt. Die Kabinen sind so deutlich weniger Seitenwind anfällig und ihre Kapazität wird stark erhöht.
Die Anlage besitzt Prototyp- Charakter. Für die neuartige Technik wie auch für die stimmige formale Umsetzung wurde der Bau unlängst mit dem renommierten „International Architecture Award 2007" des „Chicago Athenaeum Museum of Architecture and Design“ ausgezeichnet.
Robert Mehl, Aachen