Projektart:
Anfrage:
Objekt:
Futurium
Typ:
Kunst- und Konzerthaus
Ort:
Berlin [Karte]
Staat:
Deutschland
Architekt:
Materialien:
Stahl, Glas, Beton
Publiziert:
structure 18.09.2018
Seiten:
online
Inhalt:
[Artikel]      
 

Futurium Berlin

Vogelgleich die Flügel ausbreiten

Das Futurium, fast benachbart dem Berliner Hauptbahnhof ist nicht nur von seiner Nutzung her ein Kulturzentrum der besonderen Art. Seine beiden Seitenflügel kragen ähnlich den Schwingen eines Vogels aus. Konstruktiv eine Herausforderung.
Das Futurium ist eine Mischung aus Kulturzentrum, Museum und experimentellen Labor. Der Bau liegt am Spreebogen östlich des Hauptbahnhofes, und ist Teil des neuen, am Humboldthafen beginnenden Gebäudespaliers entlang des Bahndamms; der Reichstag ist quasi vis-á-vis. Das als expressiver Solitär angelegte Gebäude ist von zwei Seiten her zugänglich. Mit Rücknahme der Baufluchten entstanden zwei neue Taschenplätze, einer hin zum Humboldthafen, einer zur Spree.
Die fast 14.000 m² umfassende Bruttogeschossfläche (BGF) des Futuriums ist in einem Split- Level- System organisiert. Es gibt zwei UG, das EG und ein OG sowie mehrere Zwischengeschosse.
Der von Richter Musikowski Architekten stammende Entwurf ist geprägt von 18 m weiten Gebäudeauskragungen, die ihm den Charakter verleihen, als öffne er gerade vogelgleich seine (Seiten-) Flügel, um loszufliegen.
Leichtigkeit - schwer zu planen
Die nicht triviale Tragwerksplanung verantwortet die Schüßler- Plan Ingenieurgesellschaft mbH aus Düsseldorf. Aus deren Sicht stellten die überkragenden Ausstellungsbereiche mit ihren hohen Nutzlastanforderungen, die insbesondere an den äußeren Enden durch hohe Lasten aus den Deckenauflagern und Fassaden belastet werden, die zentrale Herausforderung dar.
Auch weisen die Ausstellungsräume enorme, bodentiefe Fensterfronten auf. Die nördliche etwa, mit Blick auf das Bundeskanzleramt, misst 11 m x 28 m. Aber diesen riesigen Screens geben dem Bau auch maßgeblich seinen offenen Charakter. Die hohe Transparenz wurde dadurch erreicht, dass die überkragenden Ausstellungsflächen oberhalb der Eingangsbereiche mit Flachstahl- Zugbändern nach oben, an die im Dach versteckten Träger gehängt wurden. Zwei Stahlhohlkästen mit einer Spannweite von jeweils 32 m leiten diese Lasten über die auskragenden, massiven Wandscheiben in die Gründung ab. Die sehr schlanken Zugbänder sind gleichzeitig die Unterkonstruktion für die Glasfassade.
Neben dem Rohbaugerüst erforderte auch der Innenausbau eine Vielzahl von Tragwersonderlösungen sowie komplexe Detailausbildungen. So wird das zentrale, fast schwebend erscheinende Treppenhaus nur über wenige Punkt gehalten und fixiert.
Schüßler- Plan Ingenieurgesellschaft mbH konzipierte das Futurium als Niedrigst- Energiehaus. Es entspricht dem Goldstandard des Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB).
Ausblick
Für Besucher ist auch das Dach des Futuriums zugänglich. Es gewährt ein großartiges Panorama über die Spree hinweg auf das Regierungsviertel und den Tiergarten. So ist Möglichkeit gegeben, sich auch am Jetzt zu erfreuen und nicht allein an dem, was das Futur bringen wird.
Robert Mehl, Aachen
https://www.structure-magazin.de/artikel/vogelgleich-die-fluegel-ausbreiten-futurium-berlin-32876