Projektart:
Anfrage:
Objekt:
Court Simonne-Mathieu
Typ:
Tennisstadion
Ort:
Paris [Karte]
Staat:
Frankreich
Architekt:
Marc Mimram 🔗, Paris
Materialien:
Stahl, Glas, Betonfertigteile
Publiziert:
structure 02.08.2018
Seiten:
online
Inhalt:
[Artikel]      
 

Zusätzliches Tennisstadion der French- Open

Bälle in der Botanik

Der neue Court Simonne Mathieu in Paris, Mitaustragungsort der French Open liegt neben denkmalgeschützten Gewächshäusern aus dem 19. Jhd. Inspiriert davon haben die architekten vier gläserne Tribünen geschaffen, die auf ihren Außenseiten gleichsam als solche fungieren.
Der Austragungsort der French Open, das Stade Roland Garros hat mit dem Court Simonne Mathieu ein drittes Hauptstadion erhalten. Es liegt nicht mehr auf dem Komplex der Fédération Française de Tennis (FFT), sondern östlich davon und ist von diesem durch einen botanischen Garten, den "Jardin des Serres d’Auteuil" getrennt. Der von seinen denkmalgeschützten Gewächshäusern geprägte und seltenen Tropenpflanzen gewidmete Park wurde von dem Gartenarchitekten Jean Camille Formigé (1845–1926) entworfen und 1898 eingeweiht. Das ganze Areal liegt etwa 8 km westlich von der Kathedrale Notre Dame.
Das Architektur- und Ingenieurbüro Marc Mimram hat sich von dem Bestand inspirieren lassen und den eigentlichen Tennisplatz mit vier, rechtwinklig zueinander angeordneten Tribünenbauten umgeben, die auf ihren Außenseiten als Gewächshäuser ausgelegt sind. Sie ergänzen die bestehenden eingehausten Gärten, um einen ausgedehnten Rundgang der durch die Flora von vier Kontinenten führt: Amerika, Asien, Afrika und Ozeanien.
Gewächshausartige Fassade
Der neue Gewächshausring besteht einer gewölbten Fassade, die bodengleich beginnt, einen 90°-Kreisbogen beschreibt und horizontal an eine gut 7,50 m hohe Pendelstütze anschließt. Hieran schließt sich nach innen orientiert eine etwas über 4,50 m auskragende Tribünenüberdachung an, die die Turnierbesucher hauptsächlich vor Regen schützt. Im Schnitt erinnert die hallenartige Konstruktion, die längs des Spielfelds etwa 70 m und an den Kopfseiten immerhin noch gut 40 misst, entfernt ein eine sich etwas herabbeugende Giraffe. Die Geste rührt auch daher, dass es den Architekten bedeutsam war, mit dem Neubau die bestehenden Tropenhäuser aus dem Fin de Siècle nicht zu überragen.
Tribünenwangen wie Zeichendreiecke
Die 4.950 Zuschauer des Court Simonne Mathieu verteilen sich auf zwei Ränge. Während der Unterrang in klassischer Weise eingegraben und von einem Keller unterfüttert ist, besteht der Oberrang aus einer sehr leicht und transparent erscheinenden Stahl- Beton- Verbundkonstruktion. Die Standflächen bestehen , wie auch bei der Ebene darunter aus Sichtbetonfertigteilen auf die direkt die Bestuhlung montiert wurde. Sie ruhen auf stählernen Zahnbalken, die zusammen mit jeweils zwei geneigten Stützen eine Ebene bilden, die entfernt an ein klassischen 30/60-Zeichendreieck erinnert, was nach außen gekippt auf seinem 60°-Winkel ruht. Dessen rechter Winkel ist der Spielfläche zugewandt und markiert die Vorderkante der untersten Standfläche. Der 30°Winkel ragt steil nach oben, ist jedoch gekappt und bildet das Auflager für die oberste Zuschauerreihe.
Doppelleben durch diametrale Nutzung
Schon im Vorfeld haben Planer und Betreiber die Stadionnutzung in zwei vollkommen unterschiedliche Zustände unterschieden. Einmal in die Phase des Roland- Garros Turniers (French Open) und einmal in die beschauliche Zeit vor und danach, wo die Besucher allein wegen der Qualität des botanischen Gartens, der allen offen steht, kommen.
Robert Mehl, Aachen
https://www.structure-magazin.de/artikel/baelle-in-der-botanik-neues-stadion-der-french-open-34440