Projektart:
Anfrage:
Objekt:
Feuerstein Arena
Typ:
Arenaüberdachung
Ort:
Wernigerode-Schierke [Karte]
Staat:
Deutschland
Architekt:
Graft 🔗, sbp 🔗
Materialien:
PTFE-Glasfasermenbran
Publiziert:
structure 27.03.2019
Seiten:
online
Inhalt:
[Artikel]      
 

Feuerstein Arena im Harz

Fest im Sattel

In Wernigerode- Schierke, am Südfuß des Brockens im Harz haben GRAFT Architekten die bestehende "Natureisbahn" überdacht und so die Feuerstein Arena geschaffen. Statisch entwickelt wurde die auf nur zwei Punkten aufliegende Konstruktion von schlaich bergermann partner.
Die neue Feuerstein Arena im Ortsteil Schierke von Wernigerrode liegt auf gut 600 m über N.N. am Südhang des Brocken im Harz. Hervorgegangen ist sie aus einem Eisportplatz, der im Jahr 1911 durch ein Spiel zweier Berliner Eishockeymannschaften eingeweiht wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieser zu einem Natureisstadion ausgebaut in dem 1950 die 1. DDR- Meisterschaften im Wintersport ausgetragen wurden. Im angehenden Jahrtausend wurde die gesamte Anlage zunehmend baufällig, weshalb das sachsen-anhaltische Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr zusammen mit der Stadtverwaltung von Wernigerode 2013 die Neugestaltung des unter Denkmalschutz stehenden Eisstadions beschloss. Hierzu wurde ein europaweiter Architekturwettbewerb ausgelobt, den das Berliner Architekturbüro GRAFT Gesellschaft von Architekten mbh unter statischer Beratung von Schlaich Bergermann Partner gewann.
Bewusst verweisen die Planer der neuen Schierker Arenaüberdachung auf die formale Verwandtschaft zu einem Servicepavillon der Wolfsburger Autostadt, welcher im Jahr des Wettbewerbsgewinns in gleicher Planungskonstellation fertig gestellt wurde. Bei beiden Konstruktionen handelt es sich um sattelartig gekrümmte Seilnetzdächer, deren durchgehende Zugseile in einem umlaufenden, dynamisch verformten Stahlrandträger unter Spannung fixiert sind. Auch sind beide Dächer lediglich in zwei großen Widerlagern an den Tiefpunkten der Dachstruktur eingespannt. Über diese erfolgt auch die Drainage der 2.300 m² großen Dachfläche.
Die Sattelfläche überdacht nicht nur vollständig die 55 m x 27 m messende Eisfläche, sondern überragt stützenfrei auch die anschließenden Zuschauertribünen über eine Distanz von 75 m. Mit dem neuen Dach ist es möglich, die Arena auch außerhalb der Wintersaison, etwa für größere Kulturevents und Konzerte, wetterunabhängig zu nutzen.
Die gekrümmte Fläche besteht aus einem unteren Seilnetz, mit 2 m Maschenweite, auf dem eine mit PTFE beschichtete Glasfasermembran aufliegt. Sämtlichen äußeren Kräfte, wie Wind- oder Schneelast werden von der Membran über 540 Knotenpunkte auf das vorgespannte Seilnetz übertragen und von dort in den im Querschnitt punktsymmetrischen Randträger eingeleitet. Dieser ist insgesamt 190 m lang und als geschweißter Stahlhohlkasten ausgeführt. Seine Höhe variiert zwischen 60 cm und 140 cm variiert und seine Blechstärke zwischen von 15 - 55 mm. Von dem Randträger werden die Kräfte über die besagten Widerlager zu einer Flachgründung und von dort in den Baugrund abgeführt. Horizontale Lagerreaktionen in der Längsachse werden durch ein zentrisch vorgespanntes Stahlbetonband kompensiert, das unterhalb der Arenafläche angelegt ist.
Auf ihrer Südseite wird die neue Feuerstein Arena von der "Kalten Bode" umflossen, auf der Nordseite schließen sich bestehende Natursteintribünen an, in deren Mittelachse ein denkmalgeschützter und mit Holz holzverkleideter Wettkampfrichterturm steht. Durch das Öffnen der langen Dachflanken wurde der Bestand neu inszeniert und dem Areal der Hauch eines halboffenen Amphitheaters verliehen.
Robert Mehl, Aachen
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