Projektart:
Anfrage:
Objekt:
Denkmal für die ermordeten Juden Europas
Typ:
Gedenkstätte
Ort:
Berlin [Karte]
Staat:
Deutschland
Architekt:
Peter Eisenman 🔗, New York
Materialien:
Beton, Betonfertigteile
Publiziert:
DBZ-Supplement Brandschutz 02/2006
Seiten:
4
Inhalt:
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Dezenter Brandschutz

Anfang Mai wurde in Berlin das Mahnmal für die ermordeten Juden Europas eingeweiht. Sowohl in der Bauwelt (22/2005) wie auch in der DBZ (5/2005) wurde umfassend über das von Peter Eisenman entworfene Stelenfeld unweit des Brandenburger Tores in Berlin berichtet. Zu der Gedenkstätte gehört ein unterirdisches Informationszentrum, das im Rahmen einer Dauerausstellung dem Besucher einen Eindruck von den Ausmaßen des Holocausts zu vermitteln sucht.
Natürlich sind auch für Objekte von großer gesellschaftlicher Bedeutung die geltenden Brandschutzbestimmungen bindend. Während für das allseitig zugängliche oberirdische Mahnmalareal keine besonderen Auflagen bestehen, besitzt die tiefergelegene Ausstellungsebene fünf Fluchtwege. Neben den beiden Haupttreppenanlagen, die am Rande des Stelenfeldes münden, verfügt der sogenannte "Ort der Information" über vier weitere Notausgänge, die elegant in das Stelenfeld integriert wurden: Jeweils exakt die Breite einer Stelengasse einnehmend, führen sie über eine einläufige Treppe hinaus ins Freie.
Eine Besonderheit ist die Entrauchungsanlage der unterirdischen Räume: Vorgabe war es, die Brandschutztechnik so diskret wie möglich in das Ensemble zu integrieren. Vor diesem Hintergrund erwiesen sich zwei zentrale Aspekte des Projektes als großer Vorteil. Zum einen waren die 2711 Betonquader als Hohlkörper konzipiert und zum anderen sollte deren oberirdische Position unter Tage in Form einer analogen Kassettierung der Sichtbetondecke ablesbar sein. So ergab sich die Möglichkeit, 14 Betonstelen ohne Deckfläche zu produzieren und sie gewissermaßen als Kamine einzusetzen. Die speziellen Betonfertigteile wurden wiederum auf modifizierte Kassetten aufgesetzt, deren Innenfelder man offen ließ. So entstand schon im Rohbau ein zur Entrauchung geeigneter vertikaler Schacht. Die zusätzlich notwendigen leistungsstarken Absauganlagen konnten problemlos in die großen Volumina der Stelenkörper integriert werden.
Die dem Stelenmodul von 2,38 m x 0,95 m entsprechenden Deckenöffnungen wurden mit jeweils einer als Sonderkonstruktion ausgeführten Brandschutzklappe ausgestattet, in deren Mitte ein lichtstarkes Downlight integriert wurde. Sie öffnet sich im Brandfalle wie eine Falltür und gibt die vollständige, gut
2 m² messende Kassettenfläche als Rauchdurchlass frei. Die zur Entrauchung genutzten Betonquader sind an den schwarzen Lüftungsgittern an ihren Oberseiten erkennbar. Im Kontext des Stelenfeldes können sie jedoch kaum ausgemacht werden, da sie in der Regel übermannshoch sind.
Robert Mehl, Aachen