Projektart:
Anfrage:
Objekt:
1. DAfStb-Jahrestagung
Typ:
Interessenverband
Ort:
Bochum [Karte]
Staat:
Deutschland
Architekt:
(Geschäftsführer) Udo Wiens
Materialien:
DAfStb 🔗
Publiziert:
BFT 12/12013
Seiten:
69
Inhalt:
[Artikel]      
 

1. Jahrestagung des DAfStb

Von der Innovation zum Regelwerk

 
Der Deutsche Ausschuss für Stahlbeton (DAfStb) hat am 7. und 8. November seine erste Jahrestagung an der Bochumer Ruhruniversität (RUB) abgehalten. Der Umstand mag für eine über einhundert Jahre alte Institution etwas verwundern, erklärt sich aber aus der erstmaligen Zusammenlegung des alljährlichen Mitgliedertreffens mit dem Forschungskolloquium, das nun zum 54. Mal stattfand. DAfStb- Geschäftsführer Dr.-Ing. Udo Wiens begründet die Zusammenlegung insbesondere in dem publizistischen Missverhältnis von Aufwand und Zuhörerzahl der früheren Mitgliederversammlungen. So wurden dort wissenschaftlich überaus bemerkenswerte Vorträge gehalten - vor nur 30 Zuhörern! Gleichzeitig fehlte zunehmend den Doktorantenkolloquien die interessierte Öffentlichkeit. Der Vorstand des DAfStb sieht sich mit der unerwartet hohen Anzahl von rund 300 Teilnehmern in seiner neuen Strategie vollauf bestätigt und will diese künftig fortführen. Da jährliche standortübergreifende Forschungskolloquien in einem jährlichen Turnus kaum Sinn machen, will man in den kommenden Jahren das Programm der Jahrestagungen leicht variieren. So hat man für das kommende Jahr festgelegt, dass DAfStb- Förderer aus der Wirtschaft den Tagungsschwerpunkt bilden. Ausrichten wird das weiterhin zweitägige Treffen der VDZ in der Zeit vom 25.-28. November 2014 in Düsseldorf; genaueres steht jedoch noch nicht fest. Danach sind wieder ein bis zwei an Wissenschaftsstandorte gebundene Jahrestagungen vorgesehen und erst danach hält man eine hochschulübergreifende Zusammenkunft, wie in diesem Jahr, erneut für sinnvoll.
Umfangreiches Programm
Zunächst begrüßten DAfStb- Präsident Prof. Dr.-Ing. Jürgen Schnell und die beiden Professoren der ausrichtenden RUB- Institute Univ.-Prof. Dr.-Ing. Rolf Breitenbücher (Lehrstuhl für Baustofftechnik‎) und Prof. Dr.-Ing habil Peter Mark (Institut für Massivbau) die Teilnehmer. An zwei Tagen hatten diese anschließend die Möglichkeit, 81 zum Teil hochspezielle wissenschaftliche Vorträge anzuhören. In 68 davon berichteten Doktoranten von ihren Forschungen, neun weitere behandelten praxisbezogene Themen. Zudem gab es vier Festvortäge, welche sich grundsätzlich mit Fragen der Betontechnik und ihrer Normung auseinander setzten. Die Doktorantenkolloquien waren in sechs Forschungssymposien aufgeteilt, von denen immer drei gleichzeitig stattfanden. Sie liefen parallel zu den praxisbezogenen Vorträgen und nur die Festvorträge erfolgten vor dem vollen Plenum.
Die Tagung fand statt im Kongresszentrum der RUB, welches in dessen weitläufigen Kernkomplex untergebracht ist. Tatsächlich war es derselbe Aufzug, der einen entweder nach oben mitten in die Hauptmensa, oder nach unten direkt in das Parkhaus brachte. Auf den zentral organisierten Charakter der RUB wies auch deren Rektor Prof. Dr. Elmar Weiler in seinem Grußwort hin. Er erinnerte daran, dass der überwiegend aus Beton errichtete Großbau während seiner Errichtung in den 1960er Jahren tatsächlich die größte Baustelle Europas war.
Praxisthemen
Der DAfStb begreift die Anstrengungen einer europaweiten Normierung der Stahlbetonbautechnik als eine seine Kernaufgaben und engagiert sich entsprechend. Auch beleuchteten die meisten Plenumsvorträge unterschiedliche Facetten dieser zentralen Thematik.
Die Tagung begann mit dem Plenumsvortrag von Prof. Dr.-Ing. Josef Hegger von der RWTH Aachen. In diesem ging er auf das komplexe Unterfangen ein, welches der Eurocode 2 (EC2), die europaweite Regulierung der Normierung und Bemessung, hier konkret für Betonkonstruktionen mit sich brächte. So sei es generell schwierig, bei 33 teilnehmenden CEN- Nationen einen Konsens zu finden. Dies gälte insbesondere, wenn manche Staaten, wie etwa Deutschland eigene Anwendungsregeln besäßen, die auf jahrzehntelanger Erfahrung beruhen, diese aber genauso tradierten Richtlinien anderer Nationen widersprächen und alle auf ihrer Norm beharren: Kompromisse sind hier gefragt. Einmal mehr wies er darauf hin, dass die Arbeit am EC2 auf ehrenamtlicher Basis erfolge. Dies sei auch der Grund, warum die Hochschulen so überproportional in den zuständigen Arbeitskreisen vertreten seien. Er forderte die Wirtschaft auf, sich aktiver an dem EC2-Regelwerk zu beteiligen. Denn es gäbe extrem viel zu tun und die nächsten zwei Jahre wären tatsächlich entscheidend.
Neben der europaweiten Normierung war ein weiterer praxisbezogener Themenschwerpunkt der Tagung der Brückenbau. Dabei lag der Fokus insbesondere auf der Sanierung, der Ertüchtigung und der Nachrechnung des immensen Straßenbrückenbestandes. Hierzu durfte der DAfStb Dr.-Ing. Gero Marzahn von strassen.nrw als Referenten begrüßen, der von der Schwierigkeit zur Nachrechnung von Straßenbrücken im Allgemeinen und denen von Beton im Besonderen berichtete.
Forschungskolloquien
Die sechs Vortragsgruppen der Doktoranten waren:
- Dauerhaftigkeit und Bewertung von Bestandsbauwerken
- Beton unter dynamischer Beanspruchung
- Innovative Materialien, Bemessungs- und Konstruktionsansätze
- Leicht Bauen mit Beton
- Übertragung von Simulation und Experiment
- Neue Prüfverfahren
Darunter waren einige Berichte zu Forschungsvorhaben, die durchaus von Interesse für die Betonfertigteilindustrie sind und auf deren ausführliche Publikation wir uns in einer der kommenden BFT- Ausgaben freuen dürfen.
Von Forschung zur Praxis
In seiner abschließenden Plenums- Rede betonte DAfStb- Geschäftsführer Wiens noch einmal, dass der eingetragene Verein vor allem bestrebt ist, Innovationen zum Regelwerk hin zu überführen. Auch sieht er die Notwendigkeit, dass Normen verständlicher werden müssen und stellt die Frage, was überhaupt genormt werden muss. Problematisch wäre eine gewisse Überregulierung, die letztlich nur großen Planungsgesellschaften gestatte, die geltende Regeln korrekt anzuwenden, kleine Statikbüros blieben hingegen auf der Strecke. Insofern müsse der Normungsprozess von der Forschung, über die Zulassung im Einzelfall, hin zu einem Niederschlag im Regelwerk immer wieder neu und aufmerksam betrachtet werden. Er wies außerdem darauf hin, dass Öffnungsklauseln bestehen bleiben müssten, die weiterhin Möglichkeiten einer Nachregelung auf nationale Ebene gewährleisten. Ferner war ihm wichtig festzustellen, welche Bedeutung die Europäischen Produktdeklarationen (EPD’s) langfristig besitzen. Wiens sieht sie als potentiellen Wissensschatz der Industrie, die als zentrale Datenbanken aufgebaut und gepflegt werden sollten. Abschließend stellt er fest, dass vor allem der Wissenstransfer in die Praxis die Aufgabe des DAfStb ist.
Robert Mehl, Aachen
Der Präsident des DAfStb Prof. Dr.-Ing. Jürgen Schnell begrüßt die Teilnehmer
Zur Begrüßung sang ein Bergmannschor das Steigerlied
Rund 300 Teilnehmer aus Forschung und Wirtschaft nahmen an der 1. Jahrestagung in Bochum teil