Projektart:
Anfrage:
Objekt:
Çamlıca Funkturm
Typ:
Funk- und Fernsehturm
Ort:
Istanbul [Karte]
Staat:
Türkei
Architekt:
Materialien:
Beton, Stahl
Publiziert:
structure 15.01.2019
Seiten:
online
Inhalt:
[Artikel]      
 

Çamlıca Funk- und Fernsehturm in Istanbul

Turmbau am Bosporus

Auf dem ohnehin schon gut 200 m hohen Çamlıca- Hügel entsteht derzeit ein 369 m hoher Funk- und Fernsehturm, der von einer futuristisch erscheinenden Fassade geprägt ist. Diese – nach aerodynamischen Kriterien entwickelt – reduziert einerseits den Winddruck, erhöht aber gleichzeitig die Nutzfläche um den Betonkern herum.
Die Projektierung des Çamlıca Funk- und Fernsehturms reicht bis in das Jahr 2011 zurück. Entworfen wurde der Turm von der jungen türkischen Architektin Melike Altınışık, die 2018 als eine der "40 besten Architekten Europas unter 40" ausgezeichnet wurde.
Seit 1972 wird die türkische Metropole am Bosporus durch einen alten, 166 m hohen Fernsehturm versorgt, der ebenfalls unweit der Neubaustelle auf der rd. 200 m hohen Erhebung steht. Ab Ende 2019 wird dieser durch die neue, 369 m hohe Konstruktion ersetzt. Dazu wird der bis auf 569 m über den Meeresspiegel reichende Funkturm insgesamt 125 Sendeeinheiten aufnehmen. Der Rohbau besteht aus einem bis zur Kanzel reichenden 203 m hohen Betonschaft, auf den ein 145 m messender Stahlmast gesetzt wurde.
Optisch geprägt ist der Bau von seiner futuristischen Außenhaut, die in umfangreichen Windkanaltests entwickelt wurde und den Seitenwinddruck auf den stabförmigen Betonkern reduziert. Gegliedert wird diese durch zwei gläserne Außenaufzüge, von denen einer sich dem europäischen und der andere sich dem asiatischen Teil der einzigen Stadt auf zwei Kontinenten zuwendet. Gleichzeitig erhöht die ausgesprochen fließende Turmsilhouette das Raumvolumen der Kanzel, was einen signifikanten Nutzflächenzuwachs im Vergleich zu anderen Großsendemasten einbrachte. Dabei wurde der Kanzelring, von dem die weitere Konstruktion abgehängt ist, zunächst auf Bodenhöhe um den Betonschaft zusammengefügt und dann - als wenn man eine Flagge hissen würde - an diesem nach oben gezogen.
In der Kanzel wird ein zweigeschossiges Restaurant untergebracht sein und darüber eine offene Aussichtsplattform. Beide Orte erlauben eine beeindruckende Aussicht auf die Großstadt Istanbul. Der Turmschaft steht in einem hügelartigen Sockelbau, dessen Dachflächen Teil der künftigen Topographie des Çamlıca- Parks sein wird. In ihm wird ein Café mit Event- und Ausstellungsflächen untergebracht werden. Der alte Funk- und Fernsehturm wird nach der Funktionsverlagerung auf den Nachfolger zurückgebaut, um einem Park zu weichen, durch den die neue Zufahrt geführt werden wird.
Anfang 2019 sollen die Arbeiten an der Turmfassade abgeschlossen sein; der Sendebetrieb soll Ende desselben Jahres beginnen, dann ist auch die feierliche Eröffnung des neuen Çamlıca- Turmes geplant. Man geht davon aus, dass das neue Wahrzeichen der Stadt rd. 4,5 Mio. Besucher pro Jahr anziehen wird.
Robert Mehl, Aachen
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