Projektart:
Anfrage:
Objekt:
Cadogan Song School
Typ:
Domsingschule
Ort:
Perth [Karte]
Staat:
Australien
Architekt:
Palassis Architects 🔗, Perth
Materialien:
Betonfertgteile
Publiziert:
structure 16.02.2019
Seiten:
online
Inhalt:
[Artikel]      
 

Cadogan Song School, Perth

Ein Hauch von Gotik

Die Cadogan Song School im australischen Perth wurde inmitten des angelikanischen Domareals in den historischen Bestand integriert. Der Neubau besteht aus Betonfertigteilen, sein Dach ist eine, an den gotischen Baustile erinnernde Schalenkonstruktion.
Wie eine Kapelle fügten Palassis Architekten die Cadogan Song School vor die südöstliche Chorfassade des angelikanischen Doms im westaustralischen Perth. Während letzterer ein klassizistischer Backsteinbau des späten 19. Jhd. ist, bekennt die aktuelle Ergänzung sich unzweifelhaft in die heutige Zeit, zeigt aber auch starke gotische Einflüsse:
Insgesamt 14, jeweils paarweise angeordnete Kreuzgratgewölbe überdachen baldachinartig ein kaum 75 m² großes Areal unter dessen westlicher Hälfte ein eingeschossiger Chorproberaum geschoben ist. In der Osthälfte findet sich eine Wendeltreppe, die sich um eine angedeutete Vierungsachse hinaufwindet. Diese obere Ebene, letztlich das Proberaumdach liegt auf demselben Niveau wie der auf einer natürlichen Terrasse errichtetet Dom. Der Proberaums liegt effektiv im Untergeschoss desselben, seine Nebenräume sind von hier aus ebenerdig in den Untergrund eingegraben und reichen bis an die Kirchenfundamente heran.
Entworfen wurde der Neubau von dem lokalen Büro Palassis Architects, das schon zahlreiche Projekte für die Diözese realisiert hat, die entsprechende Tragwerksplanung stammt von Pact Construction, ebenfalls aus Perth.
Kreuzgratgewölbe als Betonschalen
Alle sichtbaren Elemente der Singschule bestehen aus Weißbetonfertigteilen mit einer leicht strukturierten Oberfläche. Dies schließt nicht nur die drei gitterförmigen Wandelemente, die gewölbten Deckenträger des Proberaums und die kreuzförmigen Dachstützen ein. Es beinhaltet auch die 14, jeweils als Einzelelemente gefertigten Kreuzgratgewölbe der Dachjoche sowie die beiden Spitzen des über dem Wendeltreppenauge angeordneten Vierungsturms.
Größte Herausforderung für den im südaustralischen Adelaide ansässigen Fertigteilhersteller war die beschädigungsfreie Fertigteilanlieferung durch die Wüste hindurch nach Perth. Dazu man die Wandungsstärke von den erforderlichen 70 mm auf 135 mm und brachte eine zusätzliche 10 mm starke Bewehrung ein. Um zusätzlich die beiden, fast 10 m hohen Turmspitzen vor Bruch während des Transports zu schützen, beließ man diese bis zu ihrer endgültigen Platzierung in ihren mit CNC- Fräsen computergenierten Sonderschalungen. Für ein präzises Auf- und Ausrichten dieser beiden, an eine Stimmgabel erinnernden Spitzen und für das exakte Platzieren der Gewölbeeinheiten hatten die Ingenieure speziellen Hubrahmen entwickelt, die an diesen Schalungen befestigt waren.
Der auf einem nicht anfahrbaren Kathedralenvorhof geplante Neubau erforderte ein präzises Einheben der Fertigteile mittels Autokran über eine Distanz von rd. 60 m. Auch die Vorgabe der Architekten, alle Aufhängungen und Anschlüsse derselben verdeckt auszuführen, benötigte eine intensive Abstimmung zwischen den Tragwerksplanern und dem Fertigteilhersteller SA Precast.
Wer ist Cadogan?
Finanziert wurde das gut 2,5 Mio. Euro teure Projekt durch den englischen Aristokraten und Immobilien- Tycoons Charles Cadogan, einem persönlichen Freund des angelikanischen Dekans von Perth John Shephard. Für die Auftraggeber war es von großer Bedeutung, dass der neue Chorproberaum über eine identische Akustik wie der benachbarte Dom verfügt.
Mit seiner expressiven Formensprache erhielt der Neubau den "National Australien Architectural Award 2018" der Kategorie "Heritage".
Robert Mehl, Aachen
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