Projektart:
Anfrage:
Objekt:
Bogibeel-Bridge
Typ:
Eisenbahn- und Autobrücke
Ort:
nahe Dibrugarh, Assam [Karte]
Staat:
Indien
Architekt:
Hindustan Construction Company (HCC), Gammon India (Generalunternehmer)
Materialien:
durchgeschweißter Stahl, Ortbeton
Publiziert:
structure 05.03.2019
Seiten:
online
Inhalt:
[Artikel]      
 

Bogibeel- Bridge, Nordostindien

Ausgelegt auf 120 Jahre

Ganz im Nordosten von Indien wurde die 4,9 km lange Bogibeel- Bridge über den Brahmapudra nach 200 Monaten Bauzeit eröffnet. Die komplett verschweißte Kastenbrücke besitzt zwei Ebenen: Die untere für die Eisenbahn, die obere für den Individualverkehr.
"Brahmapudra" heißt übersetzt "Sohn des Brahma", er gilt als Göttervater, des hinduistischen Glaubenskosmos. Tatsächlich handelt es sich bei dem in Europa eher unbekannten Strom um den wasserreichsten Fluss Asiens, in den kein geringerer als der Ganges mündet. Der Brahmapudra erwächst allerdings nicht aus dem Zusammenfluss mehrerer mittelgroßer Ströme, sondern speist sich aus unzähligen kleinen Gebirgsbächen und beginnt direkt als breiter Strom am Fuß des Himalaya. Insofern ist es kaum verwunderlich, dass in dessen Oberlauf, nur knapp 200 km nach dessen nominellen Beginn eine fast 5 km breite Brücke zu seiner Querung erforderlich ist.
Die Region Assam im Nordosten Indiens ist nicht nur für seinen Tee, sondern auch für seinen starken Monsunregen bekannt. Insbesondere dieser und die damit verbundenen massiven Überschwemmungen führten zu einer erheblichen Verzögerung des 2002 begonnenen Projektes, dessen beachtliche Dauer mit 200 Monaten offiziell beziffert wird. Die Brücke befindet sich zudem in einer geologisch hoch aktiven Zone, hier schiebt sich der Subkontinent auf die asiatische Kontinentalplatte, weshalb sie besonders erdbebensicher angelegt sein musste. So entschloss sich das mit dem Bau beauftragte Firmenkonsortium unter Führung von Hindustan Construction Company (HCC) und Gammon India die Stahlfachwerkkonstruktion der Brücke vollständig zu verschweißen. So soll die Bogibeel- Bridge einem Erdbeben bis zur Stärke 7,0 auf der Richter Skala standhalten.
Die neue Flussquerung ruht auf 40 Pfeilern zwischen denen jeweils 125 m lange Teilbrücken, die statisch als Einfeldträger wirken, spannen. Sie besteht aus zwei, jeweils in Stahlbeton erstellte Verkehrsebenen, die untere dient der Eisenbahn, die obere dem Individualverkehr. Die Spurweite des Gleispaares beträgt 1.676 mm, was der indischen Breitspur entspricht. Die Gleisebene wird vollständig überdeckt von einer zweispurigen Fahrstraße, die auf beiden Seiten zusätzlich einen fahrradwegbreiten Randstreifen aufweist. Die Baukosten waren zunächst mit 250 Mio. USD veranschlagt, explodierten jedoch infolge der Bauverzögerungen und werden nunmehr mit 740 Mio. USD angegeben.
Die Brücke, deren Projektierung bis auf das Jahr 1985 zurückreicht, gilt als das bedeutendste Infrastrukturvorhaben Nordindiens. Sie liegt 17 km flussabwärts von der Kreisstadt Dibrugarh am südlichen Brahmapudra- Ufer. Auf der nördlichen Seite des Stromes verläuft kaum 20 km von ihr entfernt die Grenze zum benachbarten Bundesland Aruchnachal Pradesh. Dort erhofft man sich ebenfalls einen wirtschaftlichen Aufschwung durch den Brückenschlag. Das Projekt ist zudem von großer militärischer Bedeutung, da Indien durch sie nun erheblich schneller Truppen und schweres Gerät in die nördlichen Konfliktregionen mit China verlegen kann. .
Robert Mehl, Aachen
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