Projektart:
Anfrage:
Objekt:
Cotton Lab Urban Lounge
Typ:
Altbausanierung
Ort:
Changzhou [Karte]
Staat:
VR China
Architekt:
Atelier Archmixing 🔗, Peking
Materialien:
Stahl, Holz, Glas
Publiziert:
structure 29.10.2018
Seiten:
online
Inhalt:
[Artikel]      
 

Umbau einer Textilfabrik in Changzhou

Strebewerk zur Dekoration

Im chinesischen Changzhou wurde eine ehemalige Textilfabrik durch das Atelier Archmixing aus Peking zu einem Fashion- Outlet mit angeschlossenem Restaurant und Eventbereich umgebaut. Die räumliche Trennung der Nutzungen erfolgt über ein eingestelltes Strebewerk und eine Inszenierung des Technischen Ausbaus.
In China setzen Online- Händler verstärkt auf eine reale Entsprechung ihres Geschäfts in Form von Outletstores. Das Portal Tmall (ehem. Taobao Mall) hat in Changzhou eine 6.300 m² große Textilfabrik zu seinem realen "Marktplatz" gemacht. Das Volumen wird neu gegliedert durch zwei eingestellte, parallel angeordnete Pavillonstrukturen, von jeweils rd. 50 m Länge; eine davon besteht aus Stahl, die andere aus Holz: Es ist ein klassisches Haus-im- Haus- Prinzip.
Ästhetisierte Dachstühle
Beide adaptieren die Grundprinzipien eines Dachstuhls wo eine Art Pfettenkonstruktion eine abstrahierte Sparrenlage trägt. Formal haben diese Raumfachwerke eine Baldachinfunktion, um die Nutzflächen nach oben zu abschließen. Die Stahlstruktur umhüllt die Bekleidungsverkaufsfläche, das hölzerne Pendant das Restaurant mit Namen “Chufan”.
Sowohl die stählerne wie auch die hölzerne Konstruktion sind stützenfrei angelegt. Entgegen einer klassischen Dachstuhlkonstruktion wird das Gewicht der eingestellten Satteldachflächen nicht über Stützen senkrecht nach unten abgetragen, sondern über ein sinnfälliges Spiel von Wechseln (Holz) und Diagonalstreben (Stahl) zu den Seitenwänden beider Pavillonbauten geleitet.
Die ankommenden Massen sind nicht zu vernachlässigen, da die Interior- Dachschrägen mit Glasscheiben belegt sind. Es handelt sich zwar um denselben Innenraum, ein schweres Isolierglas ist nicht erforderlich, jedoch erzwingt die Überkopfverglasung die Verwendung von Verbundsicherheitsglas (VSG). Gut erkennbar ist die erhöhte Scheibenstärke an den breiteren Fensterdichtungen.
Baustoffadäquate Konstruktion
Sehr bewusst haben die Architekten die konstruktiven Materialvorteile genutzt. Die Stahlkonstruktion arbeitet mit lang gestreckten, auf Zug ausgelegten Diagonalstreben, das hölzerne Pendant verteilt die ankommenden Kräfte auf vertikale und horizontale Druckstäbe. Sie sind so angelegt sind, dass sie ohne eingespannte Ecken auskommen - also weitgehend biegemomentfrei. Der unvermeidliche Einsatz stählerner Zugseile stört kaum den hölzernen Gesamteindruck.
Kontrast und Außenwirkung
In Ergänzung zu den beiden Strebewerken wurden auch die Lüftungskanäle grün angelegt und einer markant diagonalen Anordnung montiert. Dieses zweite räumliche Gestaltungselement kontrastiert die beiden Pavillonbauten.
Umgeben sind die internen Pavillonstrukturen von einer zeitgemäßen Neugestaltung der ehemaligen Fabrikfassade. Ein modern angelegter Risalit wurde vor diese gestellt, er markiert einladend den neuen Haupteingang.
Robert Mehl, Aachen
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