Projektart:
Anfrage:
Objekt:
Workbox
Typ:
Ort:
Iserlohn [Karte]
Staat:
Deutschland
Architekt:
Ebeling Architekten, Iserlohn
Materialien:
Kunst am Bau: Christoph Dahlhausen, Bonn
Publiziert:
BHW 06/2016
Seiten:
65 - 67
Inhalt:
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Schlüter- WorkBox, Iserlohn

Schulen im Showroom

Im sauerländischen Iserlohn hat die Schlüter- Systems KG, Hersteller von Produkten und Systemen rund um die Fliese, einen bestehenden Verwaltungsbau in ein Schulungszentrum für seine Bauprodukte umgewandelt. Denn dem Familienunternehmen ist die Produktschulung enorm wichtig.
Als vor 50 Jahren Werner Schlüter seine Fliesenhandwerkermeisterprüfung ablegte, wollte er mit guter Arbeit zunächst nur einen erfolgreichen Betrieb aufbauen. Aber neben seinem handwerklichen Geschick zeichnet den Firmengründer von Schlüter- Systems ein pragmatischer Erfindergeist aus. Als echter Handwerker will er die gestellten Aufgaben nicht nur gut, sondern für sich auch einfach lösen. So ersann er 1975 die bekannte Schlüter- Schiene: Ein Kantenprofil für Fliesen, auf das diese einfach in einer Flucht verlegt werden können und zudem einen seitlichen Schlagschutz besitzen. Bis heute ist die Metallschiene, deren Schenkel mit trapezförmigen Rauten in das Fliesendünnbett eingelegt werden, der Firmenklassiker, der in zahllosen Variationen lieferbar ist.
Seit jeher sieht sich das Unternehmen nah am Handwerk und besitzt bis heute auch einen firmeneigenen Fliesenverlegebetrieb. Dabei geht es dem Hersteller von Produkten, die das Bauen und vor allem das Fliesenlegen leichter machen, nicht darum, seine Waren einfach nur im Handel zu platzieren – nach dem Motto „Es wird sich sicher verkaufen“. Das Unternehmen verfolgt ein bestimmtes Verkaufskonzept, dessen wesentlicher Bestandteil das „Education Based Marketing“ ist, also ein auf Schulung beruhendes Marketing.
Gefragte Schulungen
Seit langem führt Schlüter- Systems Handwerkerschulungen durch, die sich einer großen Nachfrage erfreuen. Da diese in den alten Räumlichkeiten veranstaltet wurden, war die Möglichkeit der Teilnahme oft mit Wartezeiten verbunden. Daher begann man nach neuen Schulungsräumen Ausschau zu halten, und die Wahl fiel auf eine schon vor Jahren zugekaufte Halle mit angeschlossenem Verwaltungstrakt. Für die praktischen Schulungen war ohne allzu große Umbauaktivitäten dessen Untergeschoss geeignet. Die theoretischen Lehreinheiten sollten hingegen in den früheren Verwaltungsräumlichkeiten stattfinden, die zu diesem Zweck jedoch umfassend saniert werden mussten: der konstruktive Anlass für die Schaffung der im April eingeweihten "Schlüter- WorkBox".
Kern ist ein dreifach teilbarer, aber genauso auch zum Foyer hin ganz zu öffnender Vortragssaal für rund 200 Personen im Obergeschoss. Allerdings war hierfür die bestehende Decke schlicht zu niedrig. So entschloss man sich zu einem Flachdachabriss und der Schaffung eines etwa drei Meter höher liegenden Ersatzes mit einer stählernen Tragkonstruktion.
Nachhaltiges Bauen
In Anlehnung an die nordamerikanischen Schlüter- Niederlassungen, aber auch weil das Unternehmen sehr stark die Idee einer nachhaltigen Planung befürwortet, war man bestrebt, eine entsprechende Zertifizierung zu erhalten. Zudem erhält das Unternehmen zunehmend Gewerke- Ausschreibungen, bei denen Produktzertifikate abgefragt werden und man entsprechende Referenzen vorweisen muss. Zunächst favorisierte man eine Zertifizierung nach dem amerikanischen Standard LEED – Leadership in Environmental Energy Design, stellte jedoch fest, dass sich die erforderlichen Standards nur schwer auf deutsche Bauvorhaben übertragen lassen. Deshalb entschied man sich für das Zertifizierungssystem der DGNB – der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen.
Udo Schlüter, der zusammen mit seinem Bruder Marc Geschäftsführer bei Schlüter- Systems ist, findet es bemerkenswert, wie weitreichend die Angaben sein müssen, die im Rahmen einer Nachhaltigkeitszertifizierung abgefragt werden. So geht es eben nicht nur darum, wie gut ein Gebäude isoliert ist, wie wenig Energie zu dessen Unterhalt erforderlich ist und wo diese herkommt.. Das Konzept beinhaltet auch strenge Anforderungen hinsichtlich der Nutzerfreundlichkeit des Gebäudes, beispielsweise an eine angenehme Raumatmosphäre. Dazu gehören Faktoren wie Licht, Akustik, Raumluft oder auch emissionsfreie Baustoffe. Nicht zuletzt musste Schlüter- Systems eine Facility- Management- Planung vorlegen, die unter anderem Konzepte für das Abfallmanagement und die Gebäudereinigung enthielt.
Eine DGNB- Zertifizierung basiert auf einem Punktesystem, das in Summe ein Prädikat in Bronze, Silber, Gold oder in Platin ergibt. Punkte gibt es auch für "Kunst am Bau". Dies nahm die Unternehmensleitung zum Anlass, für den in einer Hanglage sich befindenden Vorbereich einen künstlerischen Wettbewerb auszuloben. Diesen gewann der Bonner Künstler Dr. Christoph Dahlhausen mit seinem Werk "Trapezium 1884". Das Werk kann man als trapezförmige "Bodenintarsie" in Form eines überdimensionalen Schlüter- Logos bezeichnen. Dabei durchschneidet eine Profilschiene sowohl die Grünflächen, wie auch die Gehwege und Stufen. In unregelmäßigen Abständen sitzen darauf orangefarbene, 5 cm starke Plexiglasscheiben – meist leicht gekrümmt, da sie vorwiegend in den Ecken des Trapezes platziert sind, was ihnen zudem statische Stabilität verleiht. Alle Scheiben schließen auf derselben Höhe, nämlich auf 188,4 m über NN ab. Damit bezieht sich das Objekt auf das Jahr 1884, in dem in London der internationale Nullmeridian von Greenwich festgelegt wurde.
Auch wenn sicherlich das Kunstprojekt nicht darüber entschied, ob der Bau überhaupt auszeichnungswürdig ist, führte die Summe aller Pluspunkte dazu, dass die "Schlüter- WorkBox" im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten durch die DGNB mit dem Prädikat Platin ausgezeichnet wurde. Damit ist er einer von bundesweit nur wenigen Schulungsbauten überhaupt, der eine solche Ehrung erhielt.
Konstruktion der WorkBox
Der Schulungsbau wird von außen geprägt durch ein markantes Eingangsportal, welches entsprechend der Unternehmensfarben in Orange gehalten ist. Die Fassade des schachtelförmigen Schulungsbaus ist in Anthrazit angelegt. Sie besteht aus 75 cm x 150 cm großen Fliesen, die auf eine gedämmte Trockenbauunterkonstruktion montiert sind. Gebäudeprägend ist der Sonnenschutz aus Streckmetall, der mit einer dem menschlichen Knie ähnelnden Mechanik geöffnet und geschlossen wird. Unmittelbar an den Haupteingang schließt sich die zweigeschossige Empfangslobby an. Sie wird beherrscht von einer rd. 20 m² großen Grünfläche, die vertikal vom Fußboden bis unter die Decke an der Innenwand angebracht ist und die nachgewiesener Weise die Raumluft positiv beeinflusst. Während sich im Erdgeschoss eine kleine Dauerausstellung zu Schlüter- Produkten sowie ein großer Konferenzraum befinden, liegt der erwähnte große Saal für die theoretischen Schulungen im ersten Obergeschoss. Interessant sind auch noch die gemütlichen Ruheboxen, die im EG im hinteren Teil des Foyers liegen. Hierhin können sich die Schulungsteilnehmer zurückziehen, wenn sie einmal ungestört telefonieren oder einfach nur kurz ausspannen wollen
Schulungsablauf und Schulungsphilosophie
Da sich für die Schulungen Handwerker aus ganz Deutschland anmelden, hat es sich bewährt, gegen 11 Uhr zu beginnen. Zunächst gibt es einen theoretischen Teil, auf den ein Mittagsbuffet im Foyer des Obergeschosses folgt. Nachmittags startet dann im Untergeschoss der praktische Schulungspart. Am Tag unseres Besuchs standen Fußbodenheizungen und das entsprechende Schlüter- System BEKOTEC- THERM auf dem Programm.
Während Klaus- Dieter Berger, Leiter des Seminarwesens, das Prinzip der BEKOTEC- THERM Fußbodenheizung erläutert, baut Vorführmeister Lars Echtermann vor den Augen der Teilnehmer das System auf. Dabei werden zunächst die Noppenplatten ausgelegt, anschließend verlegt Echtermann den Heizungsrohr und schließt sie an den Verteilerkasten an. Parallel dazu erläutert Berger die korrekte Vorgehensweise und gibt Tipps für die fachgerechte Ausführung.
Im Anschluss an die Vorführung legen die Seminarteilnehmer selbst Hand an und erstellen im Praxisraum einen kompletten Modellaufbau des Keramik- Klimabodens. Hier wird nicht nur das Heizrohr in der BEKOTEC Platte verlegt, sondern auch der Estrich darüber eingebracht. Die Besonderheit des Systems liegt dabei auf der geringen Estrichhöhe: Er muss die Noppen der Platte um lediglich mindestens 8 mm überdecken. Anschließend wird die Verbundentkopplung DITRA 25 verklebt, bevor der Oberbelag aus keramischen Fliesen aufgebracht wird.
Im Gespräch betont Klaus- Dieter Berger einen elementaren Gedanken der Schulungsphilosophie des Unternehmens: Die Gewerke müssen sich nicht als Konkurrenz, sondern als gegenseitige Chance verstehen. Er plädiert für das Aufbauen von Netzwerken wider strenge Gewerkgrenzen, nicht für einen Wettstreit von Fliesenleger vs. Heizungsbauer. Wichtig ist, so Berger, dass der Einbau der Systeme und das Verlegen der Fliesen handwerklich richtig und sicher erfolgt. Schlüter- Systems bietet dazu Systeme für alle Handwerker wie auch alle Bauteile für das jeweilige System.
Robert Mehl, Aachen