Projektart:
Anfrage:
Objekt:
SAP Niederlassung St. Ingbert
Typ:
Verwaltungsgebäude
Ort:
St. Ingbert [Karte]
Staat:
Deutschland
Architekt:
Prof. W. Kergaßner 🔗, Ostfildern
Materialien:
Beton, Mauerwerk, Trockenbau, Glas
Publiziert:
colore 3
Seiten:
12 - 19
Inhalt:
[Artikel]      
 

SAP- Niederlassung St. Ingbert

Keine Konkurrenz

Im saarländischen St. Ingbert hat der Software- Konzern SAP seine dortige campusartige Niederlassung erweitert. Maßgabe war dabei der Erhalt des einheitlichen, parkartigen Charakters des Areasl, weswegen Homogenität eine zentrale Anforderung an die Oberflächen des Neubaus darstellte. Dies wurde durch das weiße Farbsystem von Brillux erreicht.
Der Nukleus des parkartigen Geländes ist eine alte herrschaftliche Villa aus der Gründerzeit, errichtet gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Um diesen dreigeschossigen Bau herum entstanden, einhergehend mit dem enormen Wachstum des Konzerns, immer weitere Dependancen. Trotz einer großen stilistischen Diversifikation wuchsen die Objekte zu einem respektablen Campusgelände zusammen, das vor allem durch einen enormen Höhenversprung und einen alten Baumbestand gekennzeichnet ist. Das Areal blieb immer offen zugänglich und weist bis heute eine wichtige fußläufige Achse zum Bahnhof auf, dessen Gleise auch das Areal nach Norden begrenzen. Der Stuttgarter Architekt Wolfgang Kergaßner hat einen vorhandenen Höhenversprung ausgenutzt und den Verwaltungsneubau als Landschaftsrampe inszeniert. Tatsächlich nimmt man – von Südwesten kommend – zunächst nur das begrünte Flachdach des Neubaus wahr. Es erhebt sich hier tischartig vielleicht 90 cm über das Gelände. Eine verhältnismäßig steile und etwas über 100 m lange Rampe führt daneben hinab. Sie ist der besagte öffentliche Weg.
Gebäudeerschließung
Obwohl diese Wegachse über den Neubau hinweg läuft, teilt sie die Erweiterung in zwei Bereiche: Auf der rechten, nordwestlichen Seite liegt der y-förmige, zweigeschossige Verwaltungsneubau und links davon schließt sich der Kantinen- und Tagungsbereich an. Dieser geht in ein Bestandsgebäude über, dem ein zweigeschossiger Quader mit einer Schrägfassade vorgelagert ist. In seinem Erdgeschoss ist dies der zentrale Speisesaal. Links neben der Kantine liegt nun der neue Haupteingang. Er verbindet auf direktem Wege die freistehende, historische Villa mit dem Neubau. Die unterschiedliche Nutzung der Gebäudeflügel ist auch an der Fassadengestaltung ablesbar: Während die Essensausgabe von außen mit unbehandelter Tiroler Tanne blockhausartig beplankt wurde, kennzeichnet den Bürotrakt eine geschosshohe Glas- Fassade, unterbrochen von einem durchlaufenden Frischluftbalkon.
Innenarchitektur
Das architektonische Konzept zielte darauf, den parkartigen Charakter inklusive des reichhaltigen Baumbestandes zu erhalten und damit das Gefühl, sich in der Natur zu befinden, auch in den Innenräumen erfahrbar zu machen. Entsprechend wurde eine maximale Verglasung der Büroflächen angestrebt und ein Ypsilon-förmiger Grundriss gewählt. Die Geometrie ermöglicht eine Erschließung des Gebäudes über einen zentralen Kern und schafft drei Gebäudeflügel, die sich relativ intensiv mit der umgebenden Landschaft verzahnen lassen. Ergänzend hierzu beschloss man bei der Innenraumgestaltung auf formales Dekor weitgehend zu verzichten, um nicht in Konkurrenz zur Natur zu treten, weswegen man die Wände bewusst weiß ließ. Notwendige Zutaten, wie etwa Sitzecken oder Geländer, wurden in Grün gehalten, womit sich diese stimmig der parkartigen Aussicht unterordnen. Die gestalterische Zurückhaltung in den Bürobereichen fördert zudem die Individualität am Arbeitsplatz. Es ist ausdrücklich erwünscht, dass die Mitarbeiter ihren persönlichen Bereich mit Postern, Kalendern und Fotos dekorieren.
Farbe
Das Planungsbüro strebte an, dass das Weiß aller Flächen „gleich“ erscheint. Wichtig war ihnen insbesondere eine Homogenität zwischen den inneren Decken und den außerhalb gelegenen Untersichten der weiten Dachüberstände, welche im Sommer eine passive Sonnenschutzfunktion haben.
Ebenfalls war es den Architekten wichtig, dass alle weißen Flächen, insbesondere alle Innenwände, eine identische Haptik aufweisen. Ihre Wahl fiel auf das stumpfmatte Super Latex LF 3000 von Brillux. Diese besonders abriebfeste, weiße Wandfarbe war jedoch auf verschiedenen Untergründen zu applizieren: Da waren die aussteifenden Wände des Gebäudekerns aus Beton sowie die schlanken Betonsäulen. Es gab aber auch die eingestellten, nicht tragenden Wände aus Gipskarton und das abgehängte Deckensystem aus gelochtem Gipskarton.
Grundsätzlich wurde die weiße Farbe nicht gerollt, sondern nur gespritzt. Nur so war überall ein optimaler Farbverlauf zu erreichen. Zudem wurde auf den Gipskartonflächen und auch auf dem hölzernen Corpus des mit Acryllack grün lackierten Luftraumgeländers zuvor ein Glasfaservlies zur Rissvermeidung eingebracht.
Während im Außenbereich auf die Betonflächen der Dachuntersichten das Betonfinish 839 von Brillux appliziert wurde, erhielten die wenigen Wandflächen ein hochwirksames Wärmedämmverbundsystem. Hier kam das neue WDV- System Qju von Brillux zum Einsatz.
Fazit
Insbesondere durch das einheitliche Farbsystem der Firma Brillux war es möglich auf allen Farbflächen einen einheitlichen Farbton zu erzielen. Bedingt durch die fast abstrakte Homogenität wirkt der Kontrast zur Natur der umgebenden Parklandschaft noch eindrücklicher, insbesondere wenn man in dem Neubau steht.
Robert Mehl, Aachen