Projektart:
Anfrage:
Objekt:
Haus Spelbergs-Busch
Typ:
Wohnhaus
Ort:
Bochum [Karte]
Staat:
Deutschland
Architekt:
Materialien:
Altbausanierung, WDVS-System, VELFAC-Fenster
Publiziert:
colore 11
Seiten:
16 - 21
Inhalt:
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Wohnhaussanierung in Bochum

Moderne in den Schatten gestellt

In Bochum- Wattenscheid hat ein bestehendes Wohnhaus eine vollkommen neue Erscheinung erhalten. Aus einem eingeschossigen Siedlerhaus mit ausgebautem Satteldach wurde ein modernes zweigeschossiges Einfamilienhaus mit Flachdach.
„Unserer Bauherren wollen „nichts von der Stange“ sondern etwas Individuelles, etwas Identitätsstiftendes. Wir sagen immer: Das Projekt in seiner gesamten Gestaltung vermittelt Identität“, so umschreibt Arne Schulte den architektonischen Ansatz der Entwürfe seines Büros. Zusammen mit seinem Partner Markus Bödecker führt er das Büro bsp architekten in Bochum. „Hier bei dem Projekt sind die fassadenbündigen Fenster, die zudem nach außen öffnen ein wesentliches Gestaltungsmerkmal. Das gilt auch für die gläserne Terrassentür. Es handelt sich um ein dänisches Fabrikat“, erläutert Arne Schulte. Markus Bödecker ergänzt: „In den Küstengegenden Norddeutschlands sowie Skandinaviens herrscht naturgemäß stärkerer Wind vor als in unseren Regionen. Nach außen öffnende Fenster werden dabei durch den Winddruck fester in ihre Dichtungen gedrückt. Daraus ergeben sich zwangsläufig im Detail diverse Anschlussprobleme, etwa im Bereich der Fensterbänke oder in den Fensterlaibungen. Dazu braucht es Handwerker, die wirklich Lust auf so ein Projekt haben und die sich hineindenken wollen. Mit dem Malermeisterbetrieb KuW Zimmermann hatten wir jemanden, mit dem man so etwas Ambitioniertes erfolgreich umsetzen konnte!“
Maler war ein Hauptgewerk
So unglaublich es erscheinen mag, tatsächlich war bei diesem Projekt der Malerbetrieb neben dem Fensterbauer das Schlüsselgewerk. Denn sowohl der Altbau wie auch der Neubau wurde mit einem äußerlich, auf das Außenmauerwerk aufgebrachten, 16 cm starken Wärmedämmverbundsystem, dem System Qju von Brillux, gedämmt. In der Folge wurden die Fenster also nicht in den Wandöffnungen des Rohbaus platziert, sondern aus der Wandebene „herausgeschoben“ und über diverse Unterkonstruktionen gehalten. Schließlich sollten sie bündig mit dem WDVS abschließen. Eine dunkle Schattenfuge trennt die Fensterprofile von der gedämmten Wandfläche. Sie verhindert unter anderem, dass etwaiger Schlagregen Tropffahnen auf den weißen Putzflächen bildet. Die Fugen führen die Nässe hinab zu einer Fensterbank, die rund 3 cm hervorkragt und ein sauberes Abtropfen gewährleistet.
Das alles musste im Detail sauber angelegt und ausgeführt sein, so dass keine Feuchtigkeit dauerhaft in die Dämmung eindringen und zu Feuchtigkeitsschäden führen kann. Unbedingt zu beachten waren dabei die Vorgaben des Herstellers Brillux. Zudem war zu berücksichtigen, dass nur bei einer Neubauwand ein Verkleben allein ausreicht, bei beschichteten Altbauwänden muss das System in der Regel zusätzlich gedübelt werden. Auf die Dämmplatten brachten die Handwerker eine Armierung auf, um sicher darauf die oberste Systemschicht, einen Kratzputz, aufzuziehen.
Obwohl es nicht vorgeschrieben ist und auch nicht mehr zum System Qju gehört, ließen die Architekten den Oberputz schließlich mit einem fungizid und algizid eingestellten Schlußanstrich versehen. So wird die Porigkeit der Außenhaut deutlich herabgesetzt und durch die Zusatzstoffe ein unschönes grünes Veralgen oder auch eine Pilzbildung effektiv verzögert.

Aus Alt mach Neu

Im Rahmen der Sanierung ließen die Architekten das alte Satteldach vollständig abtragen und setzten stattdessen ein Obergeschoss ohne Dachschrägen auf den Bestand, den sie zuvor vollständig entkernt hatten. An die Südwestseite setzten sie einen winkelförmigen eingeschossigen Anbau, in dem der Windfang des Haupteingangs, ein Arbeitszimmer und das Wohnzimmer untergebracht sind.
Die wenigen verbliebenen Bestandswände waren in einem abenteuerlichen Mischmauerwerk ausgeführt, das erhebliche Feuchtigkeitsprobleme in sich barg. bsp architekten ließen daher die Untergeschosswände freilegen und abdichten. Mit dem Erdaushub füllten sie das stark abfallende Terrain des Grundstücks auf, so dass eine großzügig terrassierte Topografie entstand.
Alles ohne konstruktive Verschattung
Das Wohnhaus steht unmittelbar an der städtischen Bebauungsgrenze am Rande eines bewaldeten Naturschutzgebietes, weshalb hier keine Neubauten zulässig sind. Der üppige, alte Laubbaumbestand verschattet im Sommer das Haus so effektiv, dass die Architekten bewusst auf einen konstruktiven Sonnenschutz an den großformatigen Fenstern verzichtet haben. Gerne verweisen sie darauf, dass die Idee eines Hauses mit großflächigen, fassadenbündigen Fenstern nichts Neues sei, die ideale Umsetzung jedoch oft an der Verschattung scheitere. So müssten am Ende doch irgendwelche Rollladenkästen oder Lamellen in die Fassade integriert werden. Das war hier nicht erforderlich.
Robert Mehl, Aachen