Projektart:
Anfrage:
Objekt:
Binhai Kultur Center
Typ:
Kulturzentrum
Ort:
Tianjin [Karte]
Staat:
VR China
Architekt:
gmp Architekten 🔗, Hamburg
Materialien:
Stahl, Beton, Glas
Publiziert:
structure 16.11.2018
Seiten:
online
Inhalt:
[Artikel]      
 

Binhai Kultur Center, Tianjin/CN

Parasol Passage

Fünf renommierte Architekturbüros haben zusammen in der ostchinesischen Hafenstadt Tianjin ein Kulturzentrum realisiert, darunter Bernhard Tschumi, MVRDV und gmp. Verbindendes Element ist eine fußläufige Passage, die von 30 m hohen, stählernen Parasolstützen gewölbeartig überdacht wird.
Am Anfang stand die Skizze eines Schirms als einendes Symbol mit der fünf Kulturbauten zusammengefasst werden sollten. Es galt ein Science & Technologie Museum, entworfen von Bernhard Tschumi Architects, eine Bibliothek von MVRDV, ein Kunstmuseum von gmp, ein Theater von Revery Architecture mit einem Bürgenzentrum von Hua Hui Architects zu verbinden.
Von Gerkan Marg und Partner (gmp) entwickelte aus der noch gegenständlichen Schirmidee eine parasolartige Stützenkonstruktion. Mit dieser überdachten sie die boulevardartigen Freibereiche gewölbeartig und werteten so das locker zusammengefügte Ensemble zu einer regelrechten Kultur- Mall auf. Eine Vorstudie zu den Stützen wurde von dem Stuttgarter Ingenieurbüro sbp - schlaich bergermann partner entwickelt, die eigentliche Tragwerksplanung erfolgte durch Tianjin Architectural Design Institute (TADI).
Eine sich über 330 m erstreckende und 25 m breite, in Nord- Südrichtung verlaufende Hauptachse kreuzt mittig eine gut 100 m lange und mit 60 m gut doppelt so breite Ost- West- Achse. Diese ist als Plaza gedacht, auf der größere Veranstaltungen, wie etwa Konzerte veranstaltet werden. Die Passage ist über zwei Ebenen organisiert: Das, im ersten Obergeschoss angeordnete, hallenartige Niveau verbindet die Kulturbauten, darunter, über zahlreiche Treppen angebunden, befinden sich kulturnahe Geschäfte und Gastronomie.
Die 30 m hohen, Stahlstützen werden mit einem trichterförmigen Rechteckschirm beschlossen. Die geneigten Dachflächen bestehen aus Glas und wird von innen liegenden, horizontalen Aluminiumlamellen sparrenartig gegliedert. Funktional filtern diese Metallsparren das Licht und sorgen für einen baulichen Sonnenschutz. Bei den 26 Parasolstützen handelt es sich um im Boden eingespannte Konstruktionen, die an den Schirmrändern in den Gewölbescheiteln statisch voneinander getrennt sind. Eine momentenfreie Abdichtung verhindert hier das Eindringen von Regenwasser. Dies wird über die Glasdachflächen hinweg zum rechteckigen Stützenkern geführt, wo es über integrierte Fallleitungen drainiert wird.
Mit ihrem feinen Stabwerk aus Horizontallamellen und der schieren Raumhöhe besitzt die Passagenüberdachung die Aura einer von Licht durchfluteten gotischen Kathedrale.
Robert Mehl, Aachen
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